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Schweizer Humor für Tourenradler

Schweizer Humor für Tourenradler

Artikel vom:

Schweiz ist ...

Land der Berge, Schokolade, Kuhglocken mit dazugehörigem Getier.

Schweiz ist Heidiland (gibt’s wirklich!) und Land der Haslizwerge, Land der niedlichen Bezeichnungen und ausgewachsenen Herausforderungen.

Alles erlebt auf einer „Doppel-Durchquerung des Velolands“.

Es gibt einiges, was man zwischen zwei beruflichen Terminen in Vorarlberg tun kann. Zu den eher verrückteren Dingen gehört, das Rad (vulgo Velo) einzupacken, um durch die Schweiz zu radeln. Erst recht, wenn man vorher die Auslobung der geplanten Strecke als „E-Bike-Top Klassiker mit Velotransport über die Pässe“ gelesen hätte ...

Also die Schweiz, ein Radparadies, sollte es für den Urlaub werden. Zehn Tage Zeit – genug, um vom Bodensee zum Genfer See zu reisen. Beim Recherchieren stoßen wir auf die „Seen-Tour durch die Postkartenschweiz“ – eine etwa 500 km lange Route, die durch die Schweizer Voralpen führt.

Die 4.200 Höhenmeter überlesen wir dabei einmal. Und damit gleich zu Tipp 1: Vorbereiten und Kartenmaterial mitnehmen! Die Schweiz ist zwar ein wahres Veloparadies mit über 9.000 markierten Radkilometern, MTB-Strecken, regionalen und lokalen Routen und Radwegen praktisch überall – aber das kann ganz schön Verwirrung stiften. Wir haben einige Zeit gebraucht, um uns an das Markierungssystem zu gewöhnen. „Wo sind wir und wo müssen wir hin?“ war nicht nur einmal die Frage des Tages. Aber eine Top-Site ist www.veloland.ch von SchweizMobil (umfasst auch Wanderwege, Skating und Kanu) – und dazu gibt es eine ausgezeichnete kostenlose App für Android und iOS, die uns sehr hilfreiche Dienste geleistet hat!

Bergauf im Schweizer Stil

Wir starten an einem Sonntag gleich von Dornbirn aus Richtung Lustenau. Dort geht’s über die Grenze und schon genießen wir einen sonnigen, nicht zu heißen Ausflugsmorgen. Die Seen-Tour (in der Schweiz „Route 9“ ) verläuft hier flach und bis Buchs idyllisch im Landesinneren, bis wir dann quasi gegenüber der trutzigen Burg Vaduz an den Rheindamm zurückkehren. Wir fahren übrigens entgegen der vorgeschlagenen „Montreux-Rohrschach“- Route, was ein umgekehrtes Kartenlesen notwendig macht. Vor Sargans zweigt die 9er Richtung Landesinnere ab und wir radeln dem ersten der gesamt 16 Seen (inkl. Boden- und Genfer See) entgegen. Das Ziel am ersten Tag nach 113 km heißt Weesen am Westufer des Walensees. Und es hätte wohl als erste „Warnung“ dienen sollen, was uns noch erwarten würde: Entlang des Sees müssen wir über einen kurzen, aber sehr steilen Stieg, der dann mit satten 25 % Prozent Gefälle wieder zum See abfällt ...

Tag 2 führt uns die ersten 30 km von Weesen an den Obersee und dort entlang bis Rapperswil. Am Ende des Seedamm (trennt Obersee und Zürichsee) liegt Pfäffikon – und wir wissen: Von nun an geht’s bergauf! Aber im schweizerischen Stil. Dazu Tipp 2: Nur nicht von den Steilheitspfeilen in den Karten einlullen lassen! Die Theorie liest sich so: 1 = 5 %; 2 = 5 bis 10 %, 3 = über 10 %. Aber das sind kleine Scherze unserer Schweizer Freunde. In der Praxis heißt das für die 10 km rauf auf den Etzelpass: erst 3 km mit 18-19% bergauf, ein welliges, stetig aufwärts strebendes Mittelstück, und am Ende nochmals 3 km zwischen 15 und 19 %.

 

Verschwundener Wegweiser

Was soll’s, aufi müss’ ma’ – und das mit Gepäck. Die Abfahrt gestaltet sich dafür schottrig – kurz vor Einsiedeln brauchen wir dringend einen Tankstopp.

Danach nächste Seeüberquerung über den Sihlsee und Einsiedeln (ältester­ Wallfahrtsort der Schweiz), weiter ins Nebental nach Rothenthurm, dem größten Hoch- und Heidemoor der Schweiz. Dort bei der Baustelle ging offenbar ein für uns wichtiges Hinweistaferl verschüttet: Wir verfahren uns, kurbeln irrtümlich über den Aegeri-Sattel. Heißt wieder: 2 km mit 15 bis 18 % Steigung – es wäre in einer flachen Schleife um die Felsnase­ ­gegangen. Nachdem es aber nun bis Zug nur noch leicht bergab rollt, beschließen wir, dort (nach 99 km) Etappenziel zu machen. Wir finden trotz „fast ausgebucht“ ein tolles Hotel. Es heißt Guggital und liegt – am Berg!

 

 

 

Jenseits der 19 Prozent

Tag 3: Postkartenidylle liegt vor uns. Von Zug entlang des Zuger Sees, weiterrollen nach Luzern an den Vierwaldstätter See, den wir in langer Uferfahrt genießen, über die Ufer des Alpnachsees und Wichelsees. In Sarnen stellt sich dann die Gretchenfrage: Noch über den Brünig-Pass ins Land der Haslizwerge oder nicht? Wir wagen das Abenteuer – und erleben wieder­ echten Schweizer Radlerhumor: Nach 9 (sehr welligen) Kilometern entlang des Sarner Sees soll es 3 km „mäßig“ (5–10 %) bis zum Lungerer See steigen. Es sind „nur“ 2 km, dafür jenseits der 19 % ...

In Lungern sehen wir hoch am Berg die alte Passstraße – richtig geraten: Da geht’s rauf. 5 km bis zur Passhöhe, die Bahn (transportiert gern die Velos) muss dort auf kräftigen Zahnradantrieb umstellen. Wir machen es dem Zug gleich und schnaufen die Schotterpiste hinauf – allerdings bei mäßiger Sicht, da ein Gewitter aufzieht. Damit heißt es Tempo und die 8-km-Schotterpiste hinunter nach Meiringen. Als wir beim ersten Hotel (nach 100 Tageskilometern) ankommen, geht der Regen los. Es geht nix über gutes Zeitmanagement.

 

apropos Familientauglich ...

Tag 4 und die Gewissheit: Heute geht’s eigentlich nur bergauf. Die Frage ist nur, wie lange? Von Meiringen rollen wir 10 km Richtung Brienzer See und weiter auf der 9er-Route. Es ist auch der Tag der lustigen Verkehrsschilder.Schweizer Humor eben. Im Führer sind die „flachen Passagen entlang der Seen“ beschrieben, die diese Seen-Route angeblich auch zur „Familientour“ machen sollten. Von Brienz weg heißt das für uns in der Praxis: Berg 1 mit 250 Höhenmeter auf 2 km, und  Berg 2 auch mit 150 hm auf 2 km. Ddazwischen Verkehrsschilder „20 %“ –  wohl eher was für Hardcore-Familien …

Wie aus dem Bilderbuch liegt Interlaken zwischen Brienzer und Thunersee, das Jungfraujoch strahlt in der Sonne, und gefühlte 1000 Japaner knipsen alles, was vor die Linse kommt. Entlang des Thuner Sees radeln wir bis Spiez, von wo es Richtung Saanenmöser Pass stetig das Simmental hinauf steigt. In Zweisimmen haben wir nach 91 km genug, rundherum haben sich Regenwolken in den Bergen gestaut – und die letzten 8 km auf den Pass haben sogar die Schweizer als „sehr steil“ angegeben. Wir wissen, was das bedeutet und verschieben Aufstieg und Abfahrt auf den nächsten Tag. Übrigens: Auch hier gibt es wieder eine Panoramabahn, die die Räder samt Fahrer über den Pass bis Gstaad transportiert. Ist hier Regel, nicht die Ausnahme, wie wir erkennen.

 

wenn nix mehr geht

Tag 5, der Genfersee liegt noch 100 km entfernt: Raus aus dem Hotel – und nach 500 Metern die üblichen 18 % hinauf. Bis wir zu einem Stück kommen, wo nix mehr geht, weil das Vorderrad nicht mehr auf der Straße gehalten werden kann: Wir sind jenseits der 25 % angekommen. Aber nach 500 m ist der Spuk vorbei und es darf wieder getreten werden – über den Pass und nach Gstaad. Wieder einmal Bilderbuch!

An den Rändern des Pays d’Enhaut und Haut Gruyere geht es sehr wellig ins Greyerzerland und über die Käsestraße an den Genfer See, wo wir in Vevey die Entscheidung treffen, nicht nach Montreux weiter zu fahren, sondern Richtung Lausanne. In Rivaz ist nach 104 km das Tagespensum und für uns das Ende der „Seen-Tour“ erreicht.

Fazit bisher: wunderschöne Route, wirklich Bilderbuch. Wir haben unterwegs allerdings nur sportliche Radler gesehen – und gar keine mit Gepäck.

 

retour durchs Mittelland

Weil wir aber noch vier Tage Zeit haben, setzen wir der Verrücktheit noch eins drauf – und radeln auch retour durch die Schweiz. Also von Lausanne über die „Mittellandroute“ (5er) nach Romanshorn am Bodensee. Für uns heißt das: Von Rivaz nach Lausanne (ca. 20 km) und nach Besichtigung aller wichtigen und ehrenwerten Institutionen Richtung Seenland (Neuchateler See, Bieler See, Murten See) nach Nordosten abbiegen.

Diese Route ist mit 370 km und 1.200 Höhenmetern angeschrieben – und wir fahren sie wieder in umgekehrter Richtung: Wir folgen der Venoge, und über den Mormont (ein wahrlich winziger Hügel im Vergleich) geht es über die Kornfelder-Hügellandschaft Richtung Yverdon am Neuchateler See. Auch hier gibt’s gleich am Anfang eine Lektion im Platzieren von Hinweisschildern – genau hinter einem Straßenschild und damit quasi unsichtbar. Die mittelalterliche Stadt Estavayer-le-Lac ist Endpunkt von Tag 1 auf dem Rückweg – es sind immerhin wieder 93 km geworden.

Am zweiten Tag wartet auf uns der größte Teil des Seenlandes: Neuchateler See, Bieler See, Murten See. Die ehemalige Sumpflandschaft, vor 100 Jahren zu produktivem Ackerland umgestaltet, ist ein Genuss zu erradeln. Entlang des Bieler Sees bis Biel, dann entlang des Nidau-Büren-Kanals zur Aare geht die Reise, der Radweg ist so oft wie möglich entlang der Aare angelegt – zwar staubig, aber durch Auwälder und wunderschön. Wir stoppen unsere Reise in Solothurn: Die Barockstadt ist eine Besichtigung wert! Außerdem zeigt der Tacho 98 km.

 

Genuss am Fluss

Die längste Etappe wartet am dritten Tag, von Solothurn bis Kloten. Und es beginnt sehr gut: Wieder ist der Radweg großteils an der Aare angelegt und führt durch kleine Städtchen im Aargau und Solothurner Land. Hier im Mittelland entlang der Aare, eingebettet zwischen Jura und Alpenvorland/Alpen drängt sich alles, was radelt – und wir mitten drin. Es ist Sonntag und damit reger Ausflugsradverkehr entlang der Aare und der weiteren Flüsse, die uns begleiten. Wieder gibt es Seen mit lustigen Namen (Chatzen- und Büsisee) und für uns stellt sich einmal mehr die Frage: Bis wohin? Nach einigem Überlegen umfahren wir den Flughafen Zürich bis Kloten und finden dort, nach 130 km Tagesfahrt, ein passendes Hotel.Ohne befürchteten Fluglärm.

Der vierte Tag führt uns durch Winterthur, entlang von Töss und Thur über die Hügel des Oberthurgaus bis schließlich wieder an den Bodensee. Man macht auch auf dieser Etappe einige Höhenmeter, aber kein Vergleich zu „Nummer 9“. In Romanshorn geht es bereits Richtung Ziel, in Arbon legen wir den letzten Stopp auf der Tour ein  – wieder sind 103 km gefahren. Der letzte Tag bringt nur noch die 45 km lange „Friedensfahrt“ retour nach Dornbirn – und damit ans Ende unserer „doppelten“ Schweizdurchquerung.

 

noch eine Überraschung

Die Bilanz dieser Radreise: Beide Routen – „Seen-Tour“ und „Mittellandtour“ – sind wunderschön, charakterlich natürlich völlig unterschiedlich. Wir sind insgesamt 976 km und gut 5.500 Höhenmeter geradelt. Auf beiden Touren empfiehlt es sich, die Etappenlänge und Übernachtungen zu planen, ein paar Brocken Französisch sind auch ganz hilfreich. Ja, und beide Touren sind in Wahrheit 10 Prozent länger als im Radführer offiziell angegeben. Wie gesagt: Schweizer Humor halt ...

 

 

Tourentipp: „doppelt“ durch die Schweiz
Tagebuch einer 10-tägigen Tour durch das Veloland

Seen-Route 
Tag 1: Dornbirn – Weesen, 113 km, flach, Hotel Walensee
Tag 2: Weesen – Zug, 99 km/1.500 hm (Etzel Pass), Hotel Guggital
Tag 3: Zug – Meiringen, 100 km/1.500 hm (Brüning Pass), Hotel Alpbach
Tag 4: Meiringen – Zweisimmen, 91 km/1.300 hm (Anstieg zum Saanenmöser), Hotel Post
Tag 5: Zweisimmen – Rivaz, 104 km/500 hm (Saanenmöser), Auberge du Rivaz

Mittellandroute
Tag 6: Rivaz – Estavayer-le-Lac, 93 km/300 hm,
Hotel du Port
Tag 7: Estavayer-le-Lac – Solothurn, 98 km/100 hm, Hotel am Roten Turm
Tag 8: Soloturn – Kloten, 130 km/­­
100 hm, Hotel Welcome Inn
Tag 9: Kloten – Arbon, 103 km/200 hm, Hotel Rotes Kreuz
Tag 10: Arbon – Dornbirn, 45 km flach. 

Radwahl: MTB oder Trekkingrad. Leicht ist gut!

Alternative: Radeln entlang der Seen und Überquerung der drei gro­ßen Pässe (Etzel, Brüning, Saanenmöser) jeweils mit der Eisenbahn!

 

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