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Saalbach-Hinterglemm-Touristiker Breitfuß im Interview: Es gibt keinen Plan B / Bild: Mirja Geh / Saalbach

Saalbach-Hinterglemm-Touristiker Breitfuß im Interview: Warum es WLAN in der Gondel braucht

Artikel vom:

Beschneiung geht vor Größe - sagt Wolfgang Breitfuß. ­ Saalbachs Tourismusdirektor im SPORTaktiv-Talk über schlechte Winter, mentale Hürden und darüber, warum es WLAN in Gondeln braucht.

Interview von Klaus Molidor


Herr Breitfuß, kennen Sie alle Lifte in Ihrem Skigebiet?
Natürlich. Ich bin viel im Gebiet unterwegs. Ich könnte meinen Job als Tourismusdirektor nicht ausüben, wenn ich das nicht machen würde. Am liebsten fahre ich auf der Hochalm. Die Piste liegt auf der Sonnenseite, ist breit und mittelschwer – genau perfekt für mich. Ich sage auch meinen Mitarbeitern, dass sie rausgehen und fahren sollen. Da kriegt man viel mit und kommt mit Leuten ins Gespräch.

Geben Sie sich da zu erkennen?
Nein, meistens nicht.

Und was hören Sie da so?
Was den Leuten gefällt und wie sie auf Saalbach gekommen sind. Ganz viele waren schon als Kinder beim Schulskikurs hier.

Vor einem Jahr wurdet ihr zum „größten Skigebiet Österreichs". Wie fällt heute die Bilanz aus?
Sehr positiv. Es hat sich bewahrheitet, dass die Größe ein wesentlicher Faktor ist. Nicht bei den Stammkunden. Aber bei Leuten, die sich neu entscheiden, vielleicht zum ersten Mal einen großen Skiurlaub machen, da spielt die Größe eine wichtige Rolle. Wir haben bei den Nächtigungen ein Plus von 10 Prozent geschafft, trotz eines wirklich schwierigen Winters. Noch mehr hat Fieberbrunn von dem Zusammenschluss profitiert. Die sind auf plus 18 Prozent gekommen.

Dabei kann doch niemand den ganzen Skicircus durchfahren ...
Stimmt schon. Wir haben auch Gäste, die seit 15 Jahren kommen und noch nie in Leogang waren. Es geht da mehr um das „Ich könnte, wenn ich wollte." Die Strahlkraft ist einfach enorm. Wobei das heuer mit dem größten Skigebiet Österreichs schon wieder vorbei ist, weil am Arlberg neue Lifte gebaut wurden.

Das Wetteifern geht aber weiter. Mit dem zellamseeXpress wollt ihr 2019 auch das Gebiet Schmittenhöhe mit einbinden und seid dann mit 350 zusammenhängenden Pistenkilometern wieder vorne. Großmannssucht oder doch wirtschaftliches Denken?
Damit spielen wir dann weltweit in der Oberliga. Der Trend geht einfach zu Großskigebieten. Der Zusammenschluss mit Zell am See wird für die Zeller wichtiger sein als für uns. Außerdem ist es ziemlich sicher die letzte logische Erweiterung des Gebiets. Danach wird Schluss sein. Das viel wichtigere Thema als die Größe eines Skigebietes ist eigentlich die Beschneiung. Denn wenn du nicht bis runter fahren kannst, nützen dir die meisten Pistenkilometer und die modernsten Seilbahnen auch nichts. Wir sind da mit über 1.000 Schneekanonen sehr gut aufgestellt. Früher hat es geheißen: „Es wird schon schneien." Heute hat sich das geändert in: „Wird schon kalt werden." Wobei die Beschneiungs-Hersteller da sicher noch etwas in der Schublade haben, das in den nächsten Jahren kommen wird.

Wahrscheinlich, dass man auch bei Plusgraden schon Kunstschnee produzieren kann ...
Das kann und darf ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Geht es bei der Größe auch darum, alle Arten von Skifahrern anzusprechen? Quasi alle Nischen zu besetzen – Anfänger, Vielfahrer, Carver, Freestyler, Freerider, Boarder?
Bei 270 Pistenkilometern ist natürlich für jeden etwas dabei. Super ist, dass wir mit Fieberbrunn auch ein Freeride-Gebiet von Weltruf im Angebot haben. Dort macht schließlich die World Tour ihren einzigen Stopp in Österreich. Unser Erfolgsgarant sind aber die vielen leichteren bis mittelschweren Pisten. Die brauchst du, wenn du die Masse anziehen willst. Viele Gäste kommen aus Deutschland oder den Niederlanden, die haben nicht viele Skitage pro Jahr, finden bei uns aber viele für sie passende Pisten vor.

Ist der Konkurrenzkampf unter den Skigebieten so groß?
Das würde ich gar nicht sagen. Jedes Gebiet ist für sich anders gestrickt, jedes hat seine Vorzüge. Außerdem ist die Größe nur ein Aspekt. Damit bringst du die Leute vielleicht einmal her. Wenn die Qualität aber nicht stimmt, sind sie gleich wieder weg.

Die ständigen Investitionen sind enorm. Wie lange braucht es denn, bis sich Seilbahnen wie die „Tirol S" nach Fieberbrunn oder dann die neue Verbindung nach Zell am See rentieren?
Das kann ich so genau nicht beziffern. Sicher ist, dass sich die Bahnen wirtschaftlich schneller amortisieren als ein Hotel. Zum Glück, denn wir erschließen ja nicht nur neue Gebiete, sondern müssen auch bestehende Bahnen modernisieren oder ersetzen. In Saalbach zum Beispiel werden jetzt Lifte auf den Zwölferkogel ersetzt, die für die Ski-WM 1991 gebaut worden sind.

Der Herbst war 2016 lange sehr warm. Wie viele schlechte Winter könnten Sie sich denn wirtschaftlich leisten?
Einen Winter, der nicht funktioniert – in dem also über einen Zeitraum von einem Monat nicht gefahren werden kann – den kann man vielleicht übertauchen, weil die Zimmer gebucht sind. Schwierig wird es dann im Jahr darauf. Das merken wir heuer schon: Letztes Jahr gab es lange keinen Schnee – also warten die Leute ab und entscheiden sich je nach Wetterlage für oder gegen einen Skiurlaub. Es ist ein Geschäft auf Messers Schneide.

Und einen Plan B im Sinne der Nachhaltigkeit gibt es nicht?
Das werde ich oft gefragt. Nein. Gibt es nicht. Natürlich nutzen wir die Bahnen im Sommer auch. Immer mehr Leute entdecken das Wandern wieder, den Aktivurlaub mit Kindern in den Bergen. Dazu wird auch das Mountainbiken immer populärer. In Summe bleibt da jetzt schon was über und ist nicht nur ein Nullsummenspiel. Aber das Wintergeschäft kann das alles noch nicht ersetzen.

Wird Skifahren nicht immer mehr zum Premiumprodukt? Die Kartenpreise steigen, immer weniger Kinder fangen mit dem Sport an ...
Schauen Sie doch nach Frankreich oder in die Schweiz. Da sind die Preise deutlich höher als bei uns, obwohl die Liftanlagen qualitativ nicht mithalten können. Die 50-Euro-Marke war eher eine mentale Hürde, die wir übersprungen haben. Wenn Sie aber eine Wochenkarte nehmen, fällt der Preis schon wieder darunter, dazu haben wir viele Aktionen für Eltern mit Kindern. Bei den Gästen gab es da null Diskussionen. In fünf Jahren wird es den Aufschrei aber wieder geben, wenn die Tageskarte 60 Euro kostet. Aber wenn die Relation zum Angebot stimmt, wird das auch kein Problem sein. In einem kleineren Gebiet zahlen Sie vielleicht knapp 40 Euro, haben dafür aber nur einen Berg, den Sie nach drei Tagen in- und auswendig kennen.

Und der Wintersport-Nachwuchs?
Das wird die Herausforderung der Zukunft. Wie bringen wir Kinder auf die Piste? Auch da gibt es Aktionen wie zu Ostern, wo Kinder bis zum Alter von 15 Jahren gratis fahren. Heute musst du auch schon in der Gondel WLAN haben. Wahnsinn eigentlich. Aber dadurch haben wir als Skigebiet auch ganz andere Möglichkeiten, die Kids zu erreichen. Überhaupt: Schon lustig, wie sich der ganze Winterurlaub verändert hat: Früher haben die Gäste bei uns im Hotel als Erstes gefragt: ,Wo kann ich mein Auto parken?' Heute ist die erste Frage: ,Wie lautet das WLAN-Passwort?'

Direktor Wolfgang Breitfuß / Bild: TVB Saalbach-Hinterglemm

Der Touristiker

WOLFGANG BREITFUSS hat die Tourismusschule Kleßheim absolviert, ist heute Hotelier in Hinterglemm und seit 1995 Direktor des Tourismusverbands in Saalbach Hinterglemm.

Mit dem Skicircus-Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbunn gehört das zweitgrößte Skigebiet des Landes mit 270 Pistenkilometern in seinen Verantwortungsbereich.


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