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Von den 70ern bis heute: Die Anfänge des Mountainbikens / Bild: iStock / jk78

Die wilden 70er: Von den Anfängen des Mountainbikens

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Wie hat das mit dem Mountainbiken eigentlich angefangen? In den 1970er-Jahren in Marin County, Kalifornien. Und in der Gruppe! Jürgen Pail, intimer Kenner der Mountainbikeszene und Obmann des Bikeclubs Giant Graz-Stattegg, spannt den Bogen vom Damals ins Heute, um sich dem Phänomen „Biken in der Gruppe" anzunähern.

Von Jürgen Pail


Als die Heroes der ersten Mountainbike-Stunde, wie Gary Fisher und Joe Breeze, in den 1970er-Jahren die Klunker-Bikes aus den 1920ern wiederbelebten und damit über staubige Bergstraßen des Marin County in Kalifornien bretterten, stand der Spaß an der Freude im Mittelpunkt. Und Spaß haben geht eigentlich nur in der Gruppe gut.

Nachdem die Bikes Gewichte jenseits der 20 Kilo auf die Waage brachten, ergab sich die Gruppe von selbst: einen Pick-up hinten vollgemacht mit Bikes und Bikern und rauf auf den Berg. Shutteln nennt man das bis heute. Mit der Weiterentwicklung der Downhillbikes und vor allem, seit sich der Enduroboom zu einem stabilen Trend verfestigt hat, werden Berge ohne Aufstiegshilfen zunehmend wieder nach der alten 70er-Jahre-Methode aus dem Marin County erklommen. Und damit sich der Shuttle auszahlt – natürlich in der Gruppe!

ÜBER DEN GROSSEN TEICH
An der Wiege der radsportlichen Evolution von der Straße ins Gelände und vom Asphaltschlitzer zum Stollenreifen stand also eine Gruppe von Leuten, die sich möglicherweise unter Verwendung von bewusstseinserweiternden Substanzen (1970er, Kalifornien!) den Berg hinunterschmissen und dabei ihre Gaudi hatten. Mit zehn Jahren Verzögerung kam dann das Bergradl über den großen Teich auch nach Europa und Österreich. Die inzwischen zu Geschäftsleuten mutierten Bikehippies pumpten das neue Spielzeug marketingtechnisch auf und die Sportlichen der Alpenbewohner fuhren darauf voll ab. Es entstand eine verschworene Gemeinschaft: die Mountainbiker!

Besonders in Österreich blieb ein Großteil der Rennradfahrer aber bei den schmalen Pneus. Und so rekrutierten sich die angehenden Bergbiker vor allem aus Bewegungshungrigen, die aus anderen Sportarten zum Biken kamen. Diese nahmen ihre Geselligkeit zum Beispiel vom Skifahren zum Bergradln mit und bildeten anfangs meist reine Herrenrunden, die sich zu Ausfahrten trafen. Wie immer bei der Entstehung neuer Sportarten war das Leistungsniveau der Ausübenden am Beginn nicht sehr unterschiedlich. Die Gruppen waren also sowohl in Bezug auf ihr Tempo als auch hinsichtlich ihres „Einkehrverhaltens" in diverse Hütten und Gaststätten ziemlich homogen.

Was den Hippies im Marin County ihr Joint war, kam im Alpenland als Bier mit Enzian daher. Die Wirkungsweise erwies sich als zwar autochthon älplerisch, zeitigte aber durchaus vergleichbare Ergebnisse. Bis heute bildet diese Art des Mountainbikens trotz aller technischen Wenn Jürgen Pail und Freunde auf Biketour unterwegs sind, gehört das Einkehren natürlich mit dazu. / Bild: Harry TaudererWeiterentwicklung (und der Einführung des alkoholfreien Bieres als bikerisches Standardgetränk) das mengenmäßige Rückgrat der Mountainbikebewegung. Ausfahrtsrunden – nicht mehr nur männlich, sondern zunehmend auch rein weiblich –, deren Mitglieder sich als Tourenbiker und -innen verstehen, prägen nach wie vor das Bild des typischen Hobbybikers.

WEGE IN DEN BIKERHIMMEL
Hand in Hand mit der Bikeindustrie, wurden die Mountainbiker in ihrem Zugang zum Sport immer professioneller. Es bildeten sich auch verschiedene Vorlieben und Spezialisierungen heraus, die in dem heute überhand nehmenden Wirrwarr an technischen Standards gipfelten. Kurzum: Vorbei war es mit den Mountainbikern als homogener Gruppe! Diejenigen Biker, die immer mehr und besser trainierten, lösten sich alsbald von ihren gesellschaftlich orientierten Ausfahrtsgenossen und stiegen in die schnell wachsende Hobby-Rennszene ein. In allen Bereichen des Mountainbikens, vom Downhill bis zum Marathon, bildeten sich Communitys von Gleichgesinnten, die in wechselnden Gruppen und Teams gemeinsam – oder auch oft allein und einsam trainieren. Von Rennformaten bei Etappenrennen hervorgerufen oder von gemeinsamen sportlichen Zielen des „Höher-Weiter-Schneller" beim Tourenfahren inspiriert, kam es auch zum ultimativen Downgrade der Gruppengröße: Es bildeten sich zunehmend Zweierteams!

Argwöhnisch beobachtet von den echten Lebenspartnern verbringen diese beiden Sportfreunde einen erklecklichen Teil ihrer frei verfügbaren Zeit gemeinsam am Bike. Manchen der daheim Zurückgelassenen (in der Mehrzahl Frauen) wurde es irgendwann zu blöd, regelmäßig auf den dreckig, verschwitzt und immer zu spät daherkommenden Biketrainierer zu warten. Sie stiegen selbst ins „Stollenreifen-Business" ein und flugs waren die Bike-Pärchen geboren.

URLAUBSTRÄUME AM BIKE
Das Mountainbike und die darauf sitzenden Bergradl-Enthusiasten haben definitiv die Fahrradindustrie in lichte (Umsatz-)Höhen geführt. Doch damit gaben sich die Mountainbiker nicht zufrieden! Gegen anfangs heftigen Widerstand der Tourismusregionen in den Alpen machten sie sich daran, mit ihrem sauer verdienten Schilling oder ebensolcher D-Mark in ebendiesen Regionen den Sommertourismus neu zu beleben. Schilling und D-Mark sind heute genauso Geschichte wie der Widerstand des Tourismus gegen sein eigenes pekuniäres Glück. Die Biker kamen nämlich meist in Gruppen und kommen heutzutage in Scharen. Gestartet wurde diese bikende Tourismusbewegung mit Etappen fahrenden Männerpartien reinsten Wassers: gestandene Kerle, flüchtig vor daheim, konditionell unerschütterlich und trinkfest! Sie taten sich in erster Linie als „Wall-Fahrer" hervor und nutzen dabei die Wege, die schon seit Jahrhunderten von „Wallgehern" benützt werden.

Unsere deutschen Bikefreunde hatten indes anderes im Sinn. Sie begannen ihre Sehnsucht nach dem Süden per Bike zu stillen und lösten eine Massenbewegung aus: Transalp als Tour, als geführte Tour, als Rennen und als heiliger Gral jedes Flachhügelbikers aus nördlichen Gefilden. Ein kleiner Exkurs dazu: Der einzige, der die Alpen in echt „erfahren" hat, ist der Schweizer Lukas Stöckli. Von Wien nach Nizza, in einem Aufwaschen, in vier Wochen, mit 100.000 Höhenmetern. „Längs", nicht „trans". In der dafür einzig denkbaren Gruppe – allein! Wie auch immer – nach den eher rauhen Anfangsjahren des Mountainbike-Tourismus ist die Auswahl an Zielen und Angeboten für Biker heute im Zeichen von exotischen Destinationen, Bikeparks mit Liftsupport und Viersternehotel mit hauseigenem Guide beinahe unerschöpflich. Damit definieren sich die möglichen Gruppen vom zusammengewürfelten Transalphaufen bis zur Familie im Bikehotel mit Kinderbetreuung völlig neu.

MÄDELS UND KIDS IM KOMMEN
Haben die Pionierinnen des Bikesports noch versucht, die männlichen Vorbilder in allen Bereichen vom verbissenen Rennfahren bis hin zur Touren fahrenden Trinkfestigkeit zu imitieren, setzen die Mädels heute die Trends und die Maßstäbe. Befeuert von der Industrie, die beim Bike und der Bekleidung endlich den Unterschied von Manderl und Weiberl erkannt hat, finden immer mehr Frauen ihre Ideen von Style und Lebensgefühl auch im Biken verwirklicht. Diese Entwicklung zeitigt deutliche Auswirkungen auf die Gruppendynamik in allen Spielarten des Mountainbike-Sports.

Lang hat es auch gedauert, bis sich die ersten Bikevereine etablierten, die auch mit Kindern unterwegs waren. Mittlerweile gibt es bereits bikende Kindergartengruppen, die mit Begeisterung jedes sich bietende Verkehrshütchen im kindgerechten Parcours umkurven. Ein ähnliches Lachen muss einst auch Joe, Gary und Konsorten bei der Abwärtsbewegung in ihren Bike-Spielplätzen an der US-Westküste im Gesicht gestanden sein. Damit schließt sich hier der Kreis: Spaß an der Freud geht eben nur in der Gruppe! Egal, ob es eine Kindergartengruppe ist, oder eine aus g'standenen Mannsbildern.

Mountainbiker Jürgen Pail / Bild: privatDER GRUPPENBIKER AUS LEIDENSCHAFT
Jürgen Pail ist begeisterter Mountainbiker, Obmann des Bikeclubs Giant Graz-Stattegg und Veranstalter der jährlichen Rennen in Graz-Stattegg.

Kontakt: www.bike09.at



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