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Marathon und andere Wettkämpfe: Gesund oder gefährlich? / Bild: iStock

Marathon und andere Wettkämpfe: Gesund oder gefährlich?

Artikel vom:

Zwei Freizeitsportler erlitten auf der Halbmarathonstrecke des Wachaumarathon 2015 einen Herz-Kreislauf-Stillstand und verloren ihr Leben. Ein tragischer Anlass – der aber für manche Hobbysportler die Frage aufwirft: „Ist ein Marathon gesund oder gefährlich? Welches Risiko gehe ich ein, wenn ich bei einem Rennen mitlaufe?“ Wir klären auf, was jeder Einzelne beitragen kann, damit Marathon & Co. doch zum positiven – und gesunden Erlebnis werden.

Von Christof Domenig


An dieser Tatsache rütteln auch solch tragische Vorfälle wie in der Wachau nicht: Regelmäßiges Ausdauertraining gehört zu den effektivsten Möglichkeiten, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen! Dass man sich für dieses regelmäßige Training wiederum am besten mit einer gelegentlichen Wettkampfteilnahme motiviert, ist ebenso unbestritten. Gut vorbereitet, kann man dann in einem Rennen auch durchaus den Ehrgeiz entwickeln, die eigenen Leistungsgrenzen auszutesten, ab und zu eine persönliche Bestzeit anzustreben.

Seit Jahren vermitteln wir diese Botschaften in vielen unserer SPORTaktiv-Ratgeberstorys. Wenn allerdings gleich zwei Hobbysportler bei einem Halbmarathon einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden und tragischerweise ums Leben kommen – wie eben zuletzt im September beim Wachaumarathon passiert, dann stellt man sich als Hobbysportler fast zwangsläufig die Frage, ob man bei seinem Tun in der richtigen Spur ist. Gerade einmal 35 und 44 Jahre alt waren die beiden betroffenen Hobbyathleten beim Wachaumarathon.

Eine Vorbemerkung sei noch gestattet: In dieser Geschichte wollen wir gemeinsam mit einem Sportkardiologen der Frage auf den Grund gehen, wie man als Hobbysportler Wettkampfteilnahmen der eigenen Gesundheit zuliebe gestalten sollte – und welche Fehler dabei passieren können. Damit sei allerdings keineswegs gesagt, dass den beiden beim Wachaumarathon verstorbenen Athleten Fehler irgendeiner Art in der Vorbereitung oder beim Rennen selbst passiert seien! Es gibt nämlich tatsächlich auch schicksalshafte, unvorhersehbare Todesfälle – im Hobby- genauso wie im Spitzensport.

Aber als Hobbysportler schwirren einem dann doch fast zwangsläufig Fragen durch den Kopf, wie: Welche Risiken und Gefahren ergeben sich aus einer Marathon- oder Halbmarathonteilnahme? Gibt es Anzeichen und Warnsignale, die man im „Renneifer" möglicherweise übersehen könnte? Wie kann man allgemein bestmöglich sicherstellen, im Training und auch im Wettkampf in einem gesunden, ungefährlichen Bereich unterwegs zu sein?

BERUHIGENDE STUDIE
Bevor wir diese Fragen an unseren Experten richten wollen, noch ein Blick auf eine große medizinische Studie der angesehenen US-Universität Harvard, die 2012 zum Thema „Herzstillstand und Marathon" erschienen ist. Auch, weil sie das vermeintliche Risiko doch ein wenig ins rechte Licht rückt. Das Wissenschafter-Team hatte dazu die Daten von Marathonläufen der Jahre 2000 bis 2010 analysiert – mit dem Ergebnis: Von 10,9 Millionen Marathon- und Halbmarathon-Teilnehmern erlitten lediglich 59 einen Herzstillstand, der für 42 tödlich endete. Anders ausgedrückt: Bei einem von 184.000 Teilnehmern setzte das Herz aus – verstorben ist letztlich einer von 259.000. Der Schluss, den die Wissenschafter (vereinfacht gesprochen) daraus zogen: Marathonläufer haben starke und gesunde Herzen – und zwar viel stärkere und gesündere als die Durchschnittsbevölkerung.

„Für ein gesundes und gut trainiertes Herz-Kreislauf-System ist auch eine Wettkampfbelastung in der Regel keineswegs ungesund", hält auch gleich der Wiener Sportkardiologe Dr. Manfred Wonisch fest, schränkt aber gleichzeitig ein: „Ich befürchte, dass bei großen Ausdauersport-Veranstaltungen immer auch Teilnehmer dabei sind, die sich gefährden. Aus Untersuchungen weiß man etwa, dass es gerade ‚Volksläufe' über 5 bis 10 Kilometer sind, wo das höchste Gefährdungspotenzial besteht. Weil hier leider die Verführung größer ist, auch als Untrainierter anzutreten."

DIE RISIKOFAKTOREN
Allgemeine Risikofaktoren fürs Herz-Kreislauf-System bei sportlichen Wettkämpfen lassen sich im Prinzip gut benennen. Oft ist es übrigens nicht ein einzelner Risikofaktor, der für sich zum Problem wird, sondern mehrere. Es zählen dazu:

  • Unerkannte und bestehende Herzerkrankungen. Sie sind die häufigste Ursache dafür, wenn das Herz bei sportlicher Belastung versagt. Etwa, wenn ein Herzkranzgefäß bereits verengt ist, was bei über 35-Jährigen öfter vorkommt als viele glauben. „Besteht so eine Vorschädigung, kann bei der Wettkampfbelastung eine plötzliche Herzschwäche entstehen oder es können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten", erklärt Dr. Wonisch.
  • Verstärkend wirken in diesem Zusammenhang, wenn beim Rennen oder beim langen Training Fehler bei der Flüssigkeitsaufnahme passieren: „Durch den Sport, vor allem bei sehr warmen Bedingungen, kann es aufgrund von Flüssigkeitsmangel zu Elektrolytverschiebungen kommen. Etwa zu gefährlichen Natrium- und Kaliumverlusten. Auch das kann zusätzlich Herzrhythmusstörungen auslösen.“
  • Mangelhafte Vorbereitung und zu großer Ehrgeiz sind als Risikofaktoren ebenfalls nicht zu unterschätzen. Was bei der ungewohnt hohen Wettkampfbelastung im Körper passiert, erklärt Dr. Manfred Wonisch so: „Es kommt zu einem höheren Blutbedarf im Herzmuskel, denn dieser muss ja selbst auch durchblutet werden. In Kombination mit verstärkter Adrenalin-Ausschüttung kann es zu Verengungen an den Herzkranzgefäßen sowie zu einem deutlichen Blutdruckanstieg führen. Bei untrainierten Menschen kann eine ungewohnte körperliche Belastung im schlimmsten Fall also durchaus zum Auslöser eines Herzinfarkts werden.“
  • Ein wichtiges Thema, gerade jetzt im Herbst, sind Infekte und übergangene Krankheiten: „Bei Fieber sollte man in jedem Fall eine Woche lang symptomfrei sein, bevor man sich erschöpfend belastet. Im Zweifelsfall wäre vor einem Wettkampf, wenn man kurz zuvor eine Krankheit hatte, eine medizinische Kontrolle des Blutes und des Herzens angesagt.“
  • Auch „angeborene“, unentdeckte Herzfehler können bestehen und dann bei Belastung zu einem echten Gesundheitsrisiko werden.
  • Bleiben noch die bekannten Risikofaktoren eines ungesunden Lebensstils: Hoher Blutdruck, Cholesterin, Rauchen, Diabetes – für Laufsportler können diese Krankheitsbilder bei extremer Belastung duchaus zur Gesundheitsbedrohung werden.

VORHER RISIKO MINIMIEREN
Mit dem Benennen dieser Risikofaktoren aber zeigt sich bereits der Weg, wie man als Hobbysportler sein persönliches Risiko fürs Herz-Kreislauf-System möglichst klein halten kann. Die Eckpunkte nennt unser Experte:

  • Regelmäßige Gesundheits-Checks;
  • ein strukturierter und gut geplanter Trainingsaufbau, dem eine Leistungsdiagnostik vorausgeht;
  • und natürlich ein allgemein „gesunder“ Lebensstil.

Daraus lassen sich wiederum Ratschläge ableiten, die sich Hobbysportler zu Herzen nehmen sollten: Jeder Freizeitsportler sollte seinen Gesundheitszustand zumindest einmal internistisch feststellen lassen – und zwar schon dann, wenn man den Start ins sportliche Leben plant! Insbesonders gilt das für alle über 35-Jährigen. Und falls in der Verwandtschaft vorzeitige Todesfälle vorgekommen sind, auch schon im jüngeren Alter. Untersuchungsinhalte, die aus kardiologischer Sicht wichtig sind: EKG sowie eine Blutbestimmung; eventuell sind auch ein Herz-Ultraschall und ein Belastungs-EKG in Betracht zu ziehen.

Ist der Gesundheitszustand überprüft, dann sollten alle, die eine Wettkampfteilnahme planen, sich darauf spezifisch und gewissenhaft vorbereiten. Dies ist umso wichtiger, je größer die geplante Distanz sowie der Ehrgeiz ist, dabei an seine Grenzen zu gehen. Dr. Wonisch: „Erst gilt es, die eigene Leistungsfähigkeit feststellen zu lassen und darauf einen individuellen Trainingsplan aufzubauen. Inhalte wie Grundlagentraining, Entwicklungstraining und Wettkampfvorbereitung haben schon ihren Sinn – und tragen auch zur Sicherheit bei.“

IM WETTKAMPF
Wer solcherart gewissenhaft trainiertkennt dann in der Regel auch seinen Körper viel besser als ein unregelmäßig und unstrukturiert (oder überhaupt nicht) Trainierender. Und er tut sich dann auch im Wettkampf leichter, Belastungsgrenzen einzuschätzen, sein eigenes Tempo zu laufenheißt, sich nicht von einer euphorischen „Meute“ mitziehen zu lassen.

Gut Trainierte können dann im Bedarfsfall auch Warnsignale, die der Körper aussendet, besser einschätzen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Dr. Wonisch: „Es kann tatsächlich vorkommen, dass Hobbywettkämpfer aus falschem Ehrgeiz solche Warnsignale ihres Körpers ignorieren. Etwa Schwindel, Orientierungslosigkeit, Atemnot, die nicht aus der Belastung erklärbar ist.“ Dann gilt: Belastung unbedingt stoppen – andererseits kann ein Herzinfarkt beim Rennen tatsächlich auch ohne Vorzeichen „wie aus dem Nichts“ kommen.

Sicherheitshalber sei noch einmal dazu gesagt: Bei sportlichen Belastungen ab einer Stunde Dauer muss regelmäßig getrunken und auch aufs Ausgleichen von Elektrolytverlusten geachtet werden. Und wer vorher einen Infekt hatte: Fieber muss eine ganze Woche vorm Rennen abgeklungen sein!

SPORT STÄRKT DAS HERZ
Unter den genannten Voraussetzungen bleibt es also als Fazit dabei: Regelmäßiges und vernünftig durchgeführtes Lauf- oder anderes Ausdauertraining belastet unser Herz nicht, sondern stärkt es. Und das Risiko, das aus Wettkampfteilnahmen entsteht, lässt sich mit Vernunft auf ein minimales Maß beschränken.

„No Sports“ wäre dagegen sicherlich der verkehrte Schluss, den man aus den tragischen Fällen beim Wachaumarathon ziehen könnte – und das gilt nicht nur für gesunde Sportler: „Sogar vorgeschädigte Herzen können und sollen im richtigen Maß durch Sport und Bewegung trainiert werden. Das wird in der kardiologischen Rehabilitation jeden Tag bewiesen“, liefert Kardiologe Dr. Manfred Wonisch ein klares Argument „pro gesunder Laufsport“.

Prim. Doz. DDr. Manfred Wonisch / Bild: privat

Der Experte

PRIM. DOZ. DDR. MANFRED WONISCH ist Facharzt für innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin (Leistungsphysiologie) in Wien.

Web: www.derkardiologe.atwww.hartmannspital.at



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