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Leitfaden zur Selbsteinschätzung: Lawinensicherheits-Konzept W3 der Naturfreunde Österreich / Bild: iStock / aggey

Leitfaden zur Selbsteinschätzung: Lawinensicherheits-Konzept "W3" der Naturfreunde Österreich

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Naturfreunde Österreich / Bild: www.naturfreunde.atEin Leitfaden zur Selbsteinschätzung. „W3" nennt sich das Lawinensicherheits-Konzept der Naturfreunde Österreich, das Skitourensportlern die Einschätzung ihrer persönlichen Kompetenz erleichtern will – und das vor allem Richtlinien definiert, „wer" sich im verschneiten Gelände „wann" „wohin" wagen kann.

Von Christof Domenig


Wann, wie und wo eine Lawine entsteht, ist ein komplexes Thema. Sich „risikobewusst" auf einer Skitour zu bewegen, ist das folglich auch. Auch für Profis gilt die Regel: Ausgelernt hat man nie. Eine Schwierigkeit für Einsteiger ist es zugleich, dass neben der theoretischen Beschäftigung mit der Materie Lawinengefahr (in Kursen, Büchern, Seminaren ...) und dem Lernen in der Natur unter Profianleitung (z. B. in Lawinenkursen mit Bergführern, Schnee- und Lawinenexperten) auch das eigenverantwortliche Sammeln von Erfahrungen dazugehört, um sich als verantwortungsbewusster Sportler weiterzuentwickeln. Diese Selbsterfahrung soll aber tunlichst nicht zum Glücksspiel werden.

Mit der sogenannten „W3-Matrix", die vier Kompetenztypen definiert, haben die Naturfreunde Österreich vor Kurzem einen wichtigen Baustein in ihrer Lawinenausbildung geschaffen. Gerade weniger erfahrenen Skitourengehern wird damit die Selbsteinschätzung und somit auch das risikobewusste Bewegen im Gelände deutlich erleichtert. Eine Bemerkung dazu: Der Name „W3" als Konzept zur Lawinensicherheit ist an sich mehrere Jahre alt. Der Baustein, um den es hier geht, die „W3-Matrix", wurde dagegen erst zu Beginn des vorigen Winters erstmals vorgestellt: Sportler werden je nach Wissensstand in vier Gruppen eingeteilt und quadratisch auf einer X- sowie einer Y-Achse platziert – wie in der nachfolgend abgebildeten Grafik zu sehen.

Neuer „Termin" für den Lawinenlagebericht
Lawinenwarndienste erleichtern die Planbarkeit von Touren. Im Vorjahr war es eine Forderung der Naturfreunde Österreich, den täglichen Lawinenlagebericht am Nachmittag statt morgens zu aktualisieren. „Schließlich erfolgt die Tourenplanung am Vorabend der Tour, wo möglichst aktuelles Datenmaterial zur Verfügung stehen sollte", so die Begründung. Zumindest in der Osthälfte Österreichs kommt es 2016/17 zur angeregten Änderung: Die Lawinenwarndienste Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten stellen ab sofort auf den „Nachmittags-Lagebericht" mit täglichem Erscheinungstermin 18 Uhr um.

Info: www.lawinen.at

  
DREI EINFACHE FRAGEN

Der Name „W3" steht für die drei „W"-Fragewörter: wer, wann, wohin? Das komplexe Thema „risikobewusstes Bewegen im lawinengefährdeten Gelände" lässt sich anhand dieser drei vergleichsweise einfach darstellen. Im Grunde sind es also diese drei Fragen, auf denen das Konzept fußt:

„Wer" bin ich? Um die Selbsteinschätzung vornehmen zu können, teilt die W3-Matrix die Skitourensportler in diese Gruppen ein: Einsteiger, mäßig Fortgeschrittener, Fortgeschrittener und Profi. Anhand von Checklisten ist die Selbsteinordnung in eine der Gruppen relativ einfach möglich.

„Wann" bin ich unterwegs? Konkret geht es um die aktuelle Lawinenwarnstufe: Herrschen überwiegend günstige (Warnstufe 1+2) oder ungünstige Verhältnisse (Warnstufe 3+4)? Die „Wann"-Frage bildet im W3-Quadrat die horizontale Ebene, also die X-Achse.

„Wohin" gehe ich? Auch hier nimmt das Naturfreunde-Konzept eine Zweiteilung vor: Bleibe ich im tendenziell ungefährlichen Gelände unter 30 Grad Hangneigung – oder aber kann ich auch im steileren Gelände über 30 Grad unterwegs sein? Wie aus der Grafik abzulesen, bildet die „Wohin"-Frage die horizontale Ebene, die Y-Achse.

Ein Blick auf das Gesamtbild zeigt nun beispielsweise, dass man unter 30 Grad Hangneigung und bei Lawinenwarnstufe 1+2 auch mit sehr geringem Wissensstand (als „Einsteiger") selbstständig unterwegs sein kann. Aber auch, dass man sich schon zur Gruppe der „Fortgeschrittenen" oder „Profis" zählen und über die entsprechenden Kompetenzen verfügen sollte, um auf eigene Verantwortung in über 30 Grad steiles Gelände vorzudringen.

W3 – Wer geht wann wohin?

W3-Matrix / Bild: Naturfreunde Österreich
  
STEILHEIT UND VERHÄLTNISSE
Zur richtigen Interpretation der W3-Matrix ist zusätzlich noch etwas Hintergrundwissen nötig – das wir bei den Naturfreunde-Experten und Miterfindern des neuen W3-Konzepts, Martin Edlinger und Dr. Arno Studeregger, erfragt haben.

Zum Faktor Geländesteilheit: Warum ist 30 Grad die „magische Grenze"? „Weil 95 Prozent aller Lawinenunglücke im Gelände über 30 Grad Hangneigung passieren", erklärt Martin Edlinger, „30 Grad ist nämlich die Grenze, ab der trockene Schneebretter abgleiten können. Und Schneebrettlawinen sind die mit Abstand größte Gefahr für Wintersportler." Diese 30-Grad-Grenze lässt sich, zumindest im Aufstieg, auch für Laien einfach bestimmen: Es ist jene Grenze, ab der das Gehen in Spitzkehren nötig wird! Eine Lawine wird meist durch eine Zusatzbelastung ausgelöst wie sie ein Skitourengeher, vor allem aber eine ganze Gruppe darstellen. Wer Hänge über 30 Grad meidet, kann das Risiko also sehr stark reduzieren. Zu berücksichtigen ist allerdings das Phänomen der Fernauslösung: „Es ist möglich, vom flacheren Hangfuß aus die Schneedecke zu stören und in den darüberliegenden, steileren Hangbereichen eine Lawine fern­auszulösen. Auch das muss bei der Spurwahl berücksichtigt werden."

Zum Faktor Lawinenwarnstufe: Seit 1993 gibt es das europäische System mit fünf Lawinenwarnstufen. Bei Warnstufe 5 allerdings ist selbst für Profis an ein risikobewusstes Bewegen im Gelände nicht zu denken: „Wintersportlern bleiben definitiv die Stufen 1 bis 4, in denen sie sich bewegen können", erklärt der Lawinenprognostiker Arno Studeregger. „Diese ‚skitouristische Bandbreite' kann man in eine untere Hälfte mit mehrheitlich sicheren und günstigen Verhältnissen, also Warnstufe 1+2, teilen und in eine obere Hälfte mit teilweise bis allgemein ungünstigen Verhältnissen – also Warnstufe 3+4". Diese Zweiteilung hat auch den Vorteil, dass sie ein häufiges Missverständnis zurechtrückt – nämlich das Unterschätzen der Warnstufe 3 als „mittlere Warnstufe" nach dem Motto: „Geht noch." In Wahrheit passieren bei Stufe 3, die nicht umsonst „erhebliche Gefahr" ausweist, mit Abstand die meisten Unfälle. Im „W3"-Konzept liegt Stufe 3 daher in der oberen Hälfte des Gefahrenbereichs.

WER WAS KÖNNEN MUSS
Aus den beiden Faktoren Hangsteilheit und Lawinenwarnstufen als X- und Y-Achse ergeben sich also vier Felder – die sich mit den vier Kompetenzstufen von Einsteiger bis Profi decken. Damit lässt sich aus dem W3-Konzept auch gut herauslesen, welches Können man für jede Stufe mitbringen sollte und wie man sich sinnvoll Schritt für Schritt fortbildet. Und: Die fortschreitenden Anforderungen vom Einsteiger zum Profi decken sich mit dem standardmäßigen Aufbau von Lawinenlageberichten, die von oben nach unten gelesen immer komplexere und ausführlichere Informationen enthalten.

Einsteiger: Um sich risikobewusst selbstständig im Gelände zu bewegen, braucht es im Grunde nicht viel: eine vollständige Sicherheitsausrüstung und das Wissen, wie man damit umgeht; Grundkenntnisse in Orientierung und Kartenkunde; und man muss die Gefahrenstufe kennen. Wer das beherrscht, kann bei Warnstufe 1+2 eigenverantwortlich auf Tour gehen – sofern man auf Hängen unter 30 Grad Steilheit bleibt.

Mäßig fortgeschrittene Skitourengeher sollen bereits einige Kenntnisse mehr mitbringen. Martin Edlinger: „Das sind Grundkenntnisse des Lawinenlageberichts über die Warnstufe hinaus; insbesondere das Verinnerlichen der beschriebenen Gefahrenbereiche und das Erkennen von Geländefallen. Solche Geländefallen sind zum Beispiel kleine, eingewehte Mulden mit relativ steilen Flanken." Darüber hinaus muss der „mäßig Fortgeschrittene" erkennen können, dass es typische Lawinensituationen gibt, die selbst bei geringer Gefahrenstufe und mäßiger Hangneigung zum Risiko werden können, „beispielsweise, wenn die Schneedecke im Tagesverlauf zunehmend durchnässt." Diese „mäßig fortgeschrittenen" Sportler können sich dann zutrauen, auch bei Lawinenwarnstufe 3 oder 4 ihre Touren risikobewusst zu planen und anzulegen. Allerdings eben auch nur im Gelände unter 30 Grad Neigung.

Fortgeschrittene Tourengeher, die im über 30 Grad steilen „Spitzkehrengelände" risikobewusst unterwegs sein wollen (gerade beim Abfahren sind steilere Hänge natürlich mit Fahrspaß verbunden), sollten schon viel an Wissen und Können mitbringen. „Das heißt: lawinenrelevante Gefahrenzeichen wahrnehmen können; sich über typische Lawinensituationen bewusst sein oder auch gebundenen Schnee erkennen. Die typischen Lawinensituationen sind ja ein Informationsbestandteil jedes Lageberichts. Da diese Lawinensituationen aber immer mit dazugehörigen Wetterabläufen im Zusammenhang stehen, gilt es, auch diese Wetterabläufe zu verstehen und im Gelände nachvollziehen zu können. Dafür bedarf es einer seriösen Ausbildung und in der Folge auch reflektierter Erfahrung", erklärt Martin Edlinger.
Arno Studeregger ergänzt: „Die Gefahrenstufe 2 verleitet mit ihrer oberflächlich gut verfestigten Schneedecke dazu, die notwendigen Regeln zur Entlastung der Schneedecke zu missachten. Sprich: wann einzeln aufzusteigen und abzufahren ist und welche Entlastungsabstände einzuhalten sind. Gerade eine Zusatzbelastung, wie sie eine Gruppe darstellt, kann aber bei Warnstufe 2 zum entscheidenden lawinenauslösenden Faktor werden. Allein dieses Beispiel macht deutlich, warum in der Kategorie ‚Fortgeschrittene' bereits hohe Anforderungen über die Beurteilung vor Ort und das Verhalten im Gelände herrschen", so die Warnung des Lawinen-Experten.

Profis sind nach W3-Definition jene Sportler, die über das Beurteilungsvermögen verfügen, um sich auch bei Warnstufe 3 oder 4 noch in steileres Gelände begeben zu können. Studeregger: „Diese Sportlergruppe muss eine intensive Beobachtung und Bewertung der lokalen Lawinensituation eigenverantwortlich durchführen können. Dazu ist zum Beispiel das Wissen über den Schneedeckenaufbau und vorhandene Schwachschichten notwendig. Man muss die Zusammenhänge zwischen Wetter und Schneedeckenentwicklung verstehen, die in der Schneedecke ablaufenden Prozesse nachvollziehen können und vieles mehr."

MOTIVATION ZUM WEITERLERNEN
Dass die „W3-Matrix" eine komplexe Materie vereinfacht und dass dies auch zum Widerspruch anregen kann, ist den Erfindern bewusst: „Aber sie soll Motivation für die Weiterbildung und persönliche Kompetenzentwicklung sein. Ziel ist es, das lawinenkundliche Bewusstsein zu schärfen und zu motivieren, sich selbst und seine Entscheidungen zu hinterfragen: Etwa, welche Kompetenzen ich habe und in welche Richtung ich sie weiterentwickeln kann und soll", präzisiert Martin Edlinger. „Wenn das neue W3-Konzept Sportler dazu animiert, dann hat es schon ­einen wichtigen Zweck erfüllt."

Dr. Arno Studeregger & Martin Edlinger / Bild: Lawinenwarndienst Steiermark (li.) / Naturfreunde Österreich

Die Experten
DR. ARNO STUDEREGGER (li.) ist ­Lawinenprognostiker beim Lawinenwarndienst Steiermark und Bundesreferent für Skitouren bei den Naturfreunden Österreich.

MARTIN EDLINGER ist ­staatlich ­geprüfter Berg- und Skiführer, ­Abteilungsleiter für Skitouren und Bergsport bei den ­Naturfreunden Österreich.

Kontakt: www.naturfreunde.at



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