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Lawinengefahr: 11 Sicherheitstipps vom Bergretter / Bild: SAAC Lawinencamps / Bause

Lawinengefahr: 11 Sicherheitstipps vom Bergretter

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Wo Lawinengefahr herrscht, so sagt man, müssen Augen und Ohren offen und der Geist wachsam sein. Aber der wache Geist nutzt nichts, wenn man nicht weiß, worauf man achten soll. Mit diesen 11 Sicherheitstipps schärft SPORTaktiv-Experte Paul Sodamin euren Blick für die kleinen, aber wichtigen Details im Gelände.


Versunken im Selbst und eins mit der Landschaft: Vielen gefällt Outdoor-Sport auch deshalb so, weil man dabei in diesen Zustand gerät, der so schwer zu beschreiben und gemeinhin als „Flow“ bezeichnet wird. Dagegen ist auch nichts einzuwenden – solange man nicht im lawinengefährlichen Gelände unterwegs ist und der Flow nicht den wachen und kritischen Geist überlagert, der Gefahrenzeichen erkennt und warnt.
Damit stellt sich aber zumindest den wenig Erfahrenen gleich die Frage: Auf welche Details achtet man denn eigentlich konkret dort draußen? Gerade die, die noch nie einen Kurs zum Thema Lawinensicherheit besucht haben, können davon naturgemäß nur eine vage Vorstellung haben. Deshalb müssen wir (wie bei all unseren Storys zum Thema Lawinensicherheit) wieder gleich eingangs jedem raten: Ab in den nächsten Lawinenkurs! Als Einsteiger sowieso, aber auch zur Auffrischung, wenn der letzte Kursbesuch schon länger her, das Wissen etwas eingerostet ist. Und wie immer folgt auch der Hinweis: Die hier folgenden Tipps sind keinesfalls ein Ersatz für einen Kursbesuch, sondern sollen lediglich euer Bewusstsein für diese sensible Materie Lawinengefahr schärfen.

EIN IMMER NEUES PUZZLESPIEL
Das Vermeiden von Lawinengefahren ist auch nichts, das man einmal erlernt und dann im kleinen Finger hat: Die Gefahrenbeurteilung im Gelände gleicht einem Puzzlespiel, das erst, wenn man die Teile richtig zusammensetzt, ein aussagekräftiges Bild ergibt. Aber dafür muss man diese Puzzleteile eben auch erkennen, einen Blick dafür bekommen. Und genau dabei soll diese Geschichte, die wir gemeinsam mit dem erfahrenen Bergführer und Alpinisten Paul Sodamin gestaltet haben, helfen.
Zum Einstieg gleich ein wichtiger Hinweis des Experten: „Nur damit das allen klar ist: Die Vermeidung von Lawinengefahren beginnt nicht auf Tour, sondern schon wesentlich bei der Vorbereitung.“ 

1. DER LVS-CHECK
Bei jedem Weggehen sollt ihr nicht nur schauen, ob die Ausrüstung vollständig ist , sondern vor allem einen LVS-Check machen! Das wissen zwar alle – machen trotzdem viele nicht. „Das LVS-Gerät ist im Notfall der Faden, an dem euer Leben hängt“, sagt Paul Sodamin, „investiert also die paar Minuten vor dem Start“. So macht ihr den Test: Als Ausgangsbasis haben alle Gruppenmitglieder ihr LVS-Gerät auf „Off“. Auch interessant: Die richtige Bergung mit dem LVS-Gerät: Vier Minuten, Zeit läuft!

  • „Empfangs“-Check: Der „Kontrolleur“ stellt sein Gerät auf Senden und danach stellen die Gruppenmitglieder einzeln ihre Geräte auf „Empfang“. Jeder prüft optisch und akustisch, ob sein Gerät anschlägt. Danach schalten alle auf „Senden“ und verstauen ihr Gerät am Körper, so wie es auf Tour getragen wird – also nicht im Rucksack!
  • „Senden“-Check: Der Kontrolleur geht nun ein paar Schritte voraus und schaltet sein Gerät auf Empfang. Nun gehen alle Gruppenmitglieder einzeln mit rund 10 Metern Abstand knapp am Kontolleur vorbei, der anhand seines Geräts überprüft, ob alle Geräte wirklich senden. Am Ende schaltet auch der Kontrollierende sein LVS-Gerät wieder auf Senden.


2. HANDY UND LAWINENAIRBAG
Die alpine Notrufnummer 140 ist im Handy eingespeichert? Der Akku ist vor der Tour voll aufgeladen? Dann passt es. Aber Vorsicht: Handy und LVS-Gerät nicht gemeinsam in der selben Jackentasche tragen – das Signal des LVS-Gerätes kann dadurch gestört werden und sich unter Umständen unbemerkt ausschalten. Falls vorhanden, wird vor dem Weggehen der Auslösegriff des Lawinenairbags aktiviert: „Dieser Handgriff wird immer vor dem Tourenstart erledigt und nicht erst beim ersten steilen Hang“, erinnert Bergführer Sodamin. Auch interessant: Was kann der Lawinenairbag: Die Modelle von ABS, Mammut, BCA und Pieps

Video: Freeskier überlebt Lawine dank Lawinenairbag


3. NEUSCHNEE UND SCHNEEHÖHE

Es ist ein häufig vorkommendes, grobes Missverständnis, dass wenig Schnee (wie es zum Beispiel jetzt zu Beginn der Saison vielerorts noch der Fall ist) ein geringeres Gefahrenpotenzial bedeutet als große Schneemengen. Paul Sodamin: „Genau das Gegenteil ist der Fall! Wenig Schnee bedeutet eine höhere Gefahr, überhaupt, wenn er mit niedrigen Temperaturen einhergeht. Die Crux ist, dass sich dann leicht gefährlicher ‚Schwimmschnee‘ bildet. Bei viel Schnee ist die Schneedecke oft sicherer, weil sich vor allem bei langsamer Erwärmung die Schneeschichten gut miteinander verbinden.“ Aber unabhängig von der Gesamtschneehöhe ist es eine bekannte Tatsache, dass die meisten Unfälle am ersten schönen Tag nach größeren Schneefällen passieren. „Eine Schneedecke braucht im Schnitt auch zwei Tage, bis sie sich setzt. Oder sogar wesentlich länger, wenn Wind dazukommt; oder auf einem Nordhang. 10 bis 20 cm Neuschnee tun nicht weh – aber bei größeren Neuschneemengen ist die Gefahr deutlich erhöht.“

4. WIND
Auf Tour ist der Wind generell ein Detail, das immer im Auge zu behalten ist. „Der Wind ist einer der wichtigsten Baumeister der Lawinen. Windverfrachtungen erhöhen die Lawinengefahr erheblich“, weiß der Alpinexperte. Daher auf Tour unbedingt immer nach Gefahrenanzeichen Ausschau halten – „achtet zum Beispiel auf Windfahnen an Graten, Schneewechten oder eine vom Wind erodierte Schneeoberfläche.“

5. TEMPERATUREN
Auch das ist ein wesentlicher Baustein für Lawinen. „Sehr niedrige Temperaturen weit unter null erhöhen die Lawinengefahr extrem, aber auch ein sehr rascher Temperaturanstieg, zum Beispiel durch eine Föhnwetterlage, ist brandgefährlich. Dagegen ist eine langsame Erwärmung grundsätzlich eher positiv zu deuten, da nimmt das Gefahrenpotenzial eher ab“, weiß Paul Sodamin.

Neigungsmesser sind eine Möglichkeit, Gefühl für Hangsteilheit zu entwickeln. / Bild: Orthovox Safety Academy6. HANGNEIGUNG
Wind, Schneehöhe, Temperatur – alles für sich kein Problem. Problematisch wird die Sache logischerweise erst in Verbindung mit der Steilheit eines Hanges: „Die meisten Unfälle passieren ab 30 bis 35 Grad Hangneigung“, weiß der Bergführer. Wie aber können Unerfahrene die Steilheit eines Hanges einschätzen? Eine Möglichkeit ist ein spezieller „Neigungsmesser“, der am Skistock montiert wird (siehe Bild rechts). Eine andere ist diese Faustregel: „Sobald in Spitzkehren gegangen werden muss, sind 30 Grad überschritten.“
Das Messen der Steilheit mit Hilfe der Skistöcke wird oft in Kursen gelehrt, „doch das verwirrt viele eher“. Auch hier gilt daher der dringende Tipp: Gerade als Neueinsteiger immer mit Experten unterwegs sein, in Kursen oder indem man einen Bergführer nimmt – „so lernt ihr schnell, ein Gefühl für die Hangneigung zu entwickeln“.

7. EXPOSITION
Die Ausrichtung eines Hanges sagt ebenfalls einiges über sein Gefahrenpotenzial aus, wie unser Bergexperte weiß: „Südhänge sind grundsätzlich günstiger, sorgen für eine schnellere Setzung des Schnees. Nord-, Nordost- oder Nordwesthänge sind viel störungsanfälliger.“

8. VERDÄCHTIGE GERÄUSCHE
Ohren auf! Auch Setzungsgeräusche der Schneedecke (lassen sich am besten mit einem dumpfen „Wumm“ beschreiben) signalisieren höchste Gefahr, vor allem in Verbindung mit einem feinen Riss in der Schneedecke. „Da ist die Tour ohne Wenn und Aber sofort abzubrechen.“

9. ABSTÄNDE
Bei Hängen ab 30 Grad ist es enorm wichtig, die Abstandsregeln einzuhalten. Die da lauten: 

  • Im Aufstieg: Bei Lawinenwarnstufe 3 sind mindestens 10 Meter Abstand einzuhalten, um die Schneedecke zu entlasten.
  • Beim Abfahren: Bis 30 Grad Hangneigung werden 30 Meter Abstand eingehalten, ab 30 Grad wird überhaupt einzeln abgefahren. Und ganz wichtig: Abgefahren wird diszipliniert, Sammelpunkte werden ausgemacht und eingehalten, die Gruppenmitglieder halten untereinander Blickkontakt.

„Kein unnötiges Risiko nehmen, weil Stürze die Schneedecke punktuell mit dem siebenfachen Gewicht einer normalen Abfahrt belasten."

10. VIEL „BETRIEB“
Einsteiger fühlen sich meist sicher, wenn viele andere Tourengeher am selben Hang unterwegs sind – nach dem Motto: „Alle können sich nicht irren.“ Doch das ist trügerisch: „Viele Tourengeher bedeuten eine große Belastung für die Schneedecke, meist werden dann auch die wichtigen Belastungsabstände nicht eingehalten.“ Noch ein Ratschlag des Alpinprofis: „Auf jeden Fall aufpassen, wenn andere einen Hang bei Neuschnee spuren. Es gilt, an sicherer Stelle zu warten, bis man selbst an der Reihe ist.“

11. EISIGE HÄNGE
Durch Abstürze passieren auf Skitouren mindestens so viele Unfälle wie durch Lawinen, ist Paul Sodmain überzeugt. Daher: seine Warnung: „Die Harscheisen immer rechtzeitig anlegen und nicht erst mitten im Hang, wenn man merkt, dass man keinen Halt hat. Denn dann mit den Eisen zu hantieren, ist brandgefährlich – auf einem Hang über 30 Grad kann man sich jedenfalls nicht halten, wenn man einmal ausgerutscht ist.“


ANBIETER VON LAWINENKURSEN



Paul SodaminDER EXPERTE
Paul Sodamin aus Trieben (Stmk.), ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Bergretter und Buchautor, bietet Ausbildungen im Rahmen der Ortovox Safety Academy an.

Kontakt:www.paul-sodamin.at und paul.sodamin@aon.at


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