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Nicole Trimmel ueber Kampfgeist

Interview: Kickboxerin Nicole Trimmel über Kampfgeist

Artikel vom:

Nicole, was ist der Kick beim Kickboxen?

Mich hat vom ersten Tag an die Kombination von Kraft, Körperbeherrschung und Akrobatik fasziniert. Ein Radfahrer übt eine zyklische Tätigkeit aus. Im Kickboxen muss man agieren und reagieren, seine Technik abrufen, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer sind essenziell.

Warum würdest du anderen Sportlern das Kickboxen empfehlen?

Weil es eine wunderbare sportliche Ergänzung sein kann und tatsächlich von vielen Hobbysportlern betrieben wird. Man kann sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fordern. Man schaltet komplett ab und kann effektiv Stress abbauen. Nach einer Trainingseinheit fühle ich mich immer sehr zufrieden. Ich bin ausgeglichen, spüre meine Muskulatur, die Herzfrequenz sinkt wieder ab ... einfach ein gutes Gefühl.

Was sagst du Männern, die der Ansicht sind, das Kämpfen sei nichts für Frauen?

Jeder soll das machen, was ihm Spaß macht. Und vielen Frauen macht der Kampfsport großen Spaß. Wenn ein Mann das nicht sehen will, soll er eben etwas anderes machen. Ich halte es für richtig und wichtig, wenn Frauen Stärke zeigen, wenn sie auch wissen, wie sie sich wehren können. In vielen Vereinen sind die Frauen übrigens bereits in der Überzahl. In Nordeuropa sind es noch mehr, die Norweger reisen immer mit einem riesigen Frauenteam an.

Warum ist Kickboxen auch für Kinder, Jugendliche und Frauen geeignet?

Weil alle ihre persönlichen Bedürfnisse befriedigen können. Viele wollen sich einfach auspowern – Frauen dagegen wollen vor allem Gewicht verlieren.

Hast du keine Angst um deine Nase?

Nein, die Angst vor so etwas ist ausgeschaltet. Ich habe natürlich schon blaue Flecken kassiert oder einmal versehentlich das Knie der Gegnerin in die Wade bekommen. Aber generell ist das Verletzungsrisiko sehr gering. Es kommen ja keine überraschenden Angriffe von hinten, wie zum Beispiel beim Fußball. Viele Verletzungen geschehen dann, wenn man nicht damit rechnet.

Schon mal so richtig k. o. gegangen?

Noch nie. Nach harten Treffern bleibt einem schon mal die Luft weg. Aber dann muss man sich sammeln und wieder angreifen.

So ein Kampf dauert 3-mal 2 Minuten. Wie kann man einem Nichtkampfsportler klarmachen, wie anstrengend diese drei Runden sind?

Man muss nur einmal ein oder zwei Minuten einen Kniehebelauf auf der Stelle ausführen und dazu mit den Fäusten nach vorne schlagen. Dann ist die Anstrengung schnell zu spüren. Dazu kommt der Druck, den der Gegner ausübt. Da steht einer im Ring, der dich auspunkten will. Gegen einen starken Gegner kann das eine prekäre Lage sein. Im Ring kann man nicht wegrennen. Deshalb ist es auch so wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, den Gegner zu manövrieren und nach Möglichkeit zu beherrschen.

Wenn du in den Ring steigst und deiner Gegnerin in die Augen siehst: Wie wichtig ist dieser Moment?

Der Kampf beginnt schon vor der ersten Runde. Das ist die Erfahrung meiner mittlerweile zehn Jahre als Kickboxerin. Man kann viel aus den Augen lesen, das sind Zeichen, die ich wahrnehme. Ist die Gegnerin unsicher oder wirkt sie eher entschlossen? Hat sie ein Flackern in den Augen oder wendet sie sich vielleicht sogar ab? Das wird auf den Kampf gespiegelt, der folgt. Bei einer Gegnerin, die mir unsicher erscheint, versuche ich sofort Druck auszuüben. Wirkt sie konzentriert und entschlossen, wird es wohl kein lockeres Spiel, sondern ein harter Kampf. Dann werde ich in den ersten Sekunden taktischer agieren, abwarten und prüfen, was auf mich zukommt.

Und wenn du spürst, dass deine Gegnerin die Oberhand gewinnt?

Beim World Cup in Rimini lag ich gegen eine Russin nach der ersten Runde klar zurück. In einem solchen Moment denke ich mir: Wenn du jetzt nicht Gas gibst, wirst du diesen Kampf verlieren. Ich versuche dann das Tempo zu erhöhen und Punkte gut zu machen.

Woher nimmst du in einer solchen Situation den Kampfgeist?

Ich arbeite mit Bildern. Ich denke zum Beispiel an die Siegerehrung und habe konkrete Vorstellungen, die ich mir vorher zurechtgelegt habe, damit ich sie im Kampf schnell abrufen kann.

Eine Art Notfall-Bildergalerie?

So ungefähr. Die Bilder müssen ein spezielles Gefühl wecken, das es zu ertasten gilt. Es ist ein Gefühl der Sicherheit, des Selbstbewusstseins, das Gefühl eines erfolgreichen Kampfes, den man wieder erleben möchte.

Und wenn das nicht funktioniert? Wird man wütend, wenn es Schläge hagelt?

Wut ist leider immer schlecht. Ein gewisses Maß an Aggressivität mag gut sein, schließlich geht es um einen Kampf gegen einen Gegner. Zu viel der Wut lässt einen allerdings blind reagieren, man stürmt drauflos und läuft in die gegnerischen Techniken. Zu viel denken darf man auch nicht, sonst wird man zögerlich. Es ist die gelungene Mischung, auf die es ankommt: ein wenig Aggressivität und Entschlossenheit gemeinsam mit taktischer Überlegung und dem Auge für das Verhalten des Gegners.

Greifst du auf diese Stärken auch im Alltag zurück?

Kraft und Ausdauer erhöhen natürlich das körperliche Wohlbefinden. Und die mentale Stärke ist ebenfalls sehr hilfreich. Man traut sich mehr und packt Dinge mutig an. Es ist das Leistungsdenken vieler Sportler, die sich auch im normalen Leben immer wieder neue Herausforderungen suchen. Und wenn es nicht beim ersten oder zweiten Mal klappt, dann eben beim 100. Mal.

Ist das Training genauso vielfältig wie der Kampf?

Das muss es sein, nur so kann ich mich auf einen Kampf vorbereiten. Ein- bis zweimal die Woche absolviere ich eine reine Technikeinheit. Mein Trainer trägt Bauchpanzer und Handpratzen, er bietet mir die Trefferflächen, auf die ich schlage. So stellen wir Schlagfolgen, Täuschun­gen und Kicks nach – aber in einem sehr langsamen Tempo. Die Konzentration liegt auf der Qualität der Technik. Gleichzeitig nutzen wir das moderate Tempo zum Aufwärmen und steigern im Laufe des Trainings die Intensität. Wir gehen dann auf verschiedene Gegnertypen ein. Ich muss durch das Training auf alle möglichen Gegnerszenarien vorbereitet sein, das gibt mir die Sicherheit für den Kampf.

Und das rein physische Training?

Betrifft natürlich die Kondition. Wir belas­-ten mich mit Intervallen in maximaler Geschwindigkeit. Zum Training gehört dann noch die Kraftkammer, außerdem absolviere ich Läufe und trainiere auf dem Ergometer.

Und wenn du mal keine Lust hast?

Die Fähigkeit, mich aufzuraffen, ist bei mir geübt. Jedes Training ist Teil eines Gesamtkonzeptes. Das motiviert zusätzlich. Und wenn ich wirklich mal keine Lust habe, versuche ich es langsam anzugehen. Ich mache Mobilisierungsübungen, höre Musik und gebe dem Körper Zeit.

Genießt du, dass du durch das harte und regelmäßige Training so viel essen kannst wie du möchtest?

Und wie! Ich bin ein Genussmensch. Diät zu halten, ist nicht meine Stärke. Und durch das Training verbrenne ich wirklich eine Menge. Wir haben zwar Gewichtsklassen und deshalb muss ich mich auf der Waage kontrollieren. Aber wenn mal ein oder zwei Kilo vor einem Wettkampf zu viel drauf sind, habe ich die auch in kürzester Zeit wieder unten. Ich muss abends nur zu einem früheren Zeitpunkt essen, dann purzeln schon die Kilos.

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