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Gefahren beim Freeriden

Haialarm! Über die Gefahren beim Freeriden

Artikel vom:

Der folgenschwere Sturz von Michael Schumacher führte es uns auf dramatische Weise vor Augen: Wer im ungesicherten Skiraum seine Spuren zieht, muss auch um die Gnadenlosigkeit wissen, die sich in dieser vielgepriesenen „grenzenlosen Freiheit“ offenbart. Zwei Profis bringen hier etwas Licht in die Schattenseiten des Backcountrys.

„Better be ready when the shit goes down.“
Mit diesem Spruch machen die beiden Freeride-Experten Melanie Schönthier und Stephan Bernhard von Beginn an klar, was sie mit ihrem Werk, dem „Freeride-Überlebenshandbuch“ bezwecken: Sicher nicht einen durchaus faszinierenden Sport bloß schön zu reden, indem sie die lauernden Gefahren klein schreiben, „sondern all den Skisportler/-innen, die im freien Gelände ihren Traum ausleben, professionelle Ratschläge für ihre Lines und Touren zu vermitteln“. Im Vorfeld die Risiken durch kluge Planung und Erfahrung minimieren – und im Ernstfall mit unvorgesehenen, auch durchaus dramatischen Ereignissen richtig umgehen können: Das ist die Botschaft – und das ist auch der Nutzen, den die beiden Autoren mit ihrem „Handbuch“ stiften wollen. Zur Unterstützung haben sie sich Freeride-Topstars aus Österreich, aber auch aus der internationalen Szene geholt, die von ihren teils sogar dramatischen Erlebnissen bei Steilwandabfahrten, bei spektakulären Lines oder auch bei Lawinenabgängen berichten – und von den Lehren, die sie daraus gezogen haben. Hier in SPORTktiv wollen Melanie Schönthier und Stephan Bernhard zumindest einen Auszug aus diesem Erfahrungsschatz zur Verfügung stellen – um zumindest einen Einblick in die faszinierende, aber eben auch gefährliche Welt im Backcountry des Skisports zu geben. Und zu zeigen, wie man sich gegen „Haie“ „Sluff“ und andere Bedrohungen schützen kann.

VORSICHT, HAIE!
Sie sind da. Auch wenn du sie nicht siehst – sie lauern knapp unter der weiß glitzernden Oberfläche. Sie fressen Kanten, Belag, und sie reißen dich im Bruchteil einer Sekunde von den Beinen – genau dann, wenn du es am wenigsten erwartet: Sharks!
Gemeint sind damit die Felsbrocken, die knapp unter der Schneedecke liegen – „wobei ein Shark allein“, berichtet zum BeispielFreerideprofi Eva Walkner, „meist noch das kleinere Übel ist, denn der verschafft dir nur den Crash des Tages oder schrottet dein Material. Böse wird es, wenn sie dich im Schwarm in die Zange nehmen.“ Fünf Rippen brach sich die Österreicherin, nachdem sie von einem „Hai“ brutal gestoppt worden war und auf weitere Felsen prallte – „eine Rippe durchbohrte sogar die Lunge. Und seither hab ich echt ein mentales Problem mit den Sharks“.
Der größte Haialarm herrscht klarerweise bei einer geringen Schneedecke und darauf etwas Neuschnee. „In dieser Zeit“, sagt Walkner, „sollte man eher abwarten und erst richtig losriden, wenn die Basis passt. Und zur „Abwehrtechnik“? „Wenn man ein bisschen aufpasst, kann man schon erkennen, wo Sharks lauern. Ganz typisch ist eine leichte Wölbung im Neuschnee. Und wenn ich weiß, dass es etwas sharky ist, versuche ich, abgeblasene Schultern zu vermeiden und eher in Rinnen zu fahren.“

AUS DEM HINTERHALT
„Sluff“ ist hinterhältig. Zuerst zeigt er sich nicht, dann schleicht er sich von hinten an und reißt dich schließlich schneller um, als du es dir jemals hättest vorstellen können!
So bildlich beschrieben wird die Gefahr einer Neuschneerutschung, die beim Sprung in eine Rinne ausgelöst wird. „Sluff“ besteht nur zu maximal 15 Prozent aus Schnee, der Rest ist Luft. Ab einer Steilheit von 40 Grad lösen Turns praktisch immer „Sluff“ aus. Und weil in steilen Rinnen diese Rutschungen bis zu 90 km/h schnell werden, wird verständlich, warum diese „Luftlawine“ fast jeden Rider mühelos einholt, umbläst und ihn gegen Felsen schleudern kann. Einziger Vorteil: Durch die ganz geringe Schneemenge gibt es praktisch keine Verschüttungsgefahr.

NOTAUSGANG
„Ich stelle mir vor jeder Abfahrt die Frage: Was tue ich, wenn eine Lawine abgeht?“, sagt Snowboard-Star und Filmer Jeremy Jones. „Und ich such mir schon vorher mehrere ,Rettungsinseln‘ aus, also Kämme und Grate, auf die ich im Notfall fliehen kann.“

STEILWANDKURS
Wann ist steil zu steil? Die steilste Piste Österreichs, die „Harakiri“ im Zillertal, hat ein Gefälle von 78 Prozent, das sind 38 Grad Neigung. Im freien Gelände können aber auch Steilstufen mit 50 Grad oder mehr vor dir abfallen. Extrem-Steilwandfahrer Glen Plake hat dafür ein paar Lektionen parat. Lektion 1: „Die richtigen Schneebedingungen sind entscheidend! Eine 50-Grad-Rinne kann bei Firn ein Riesenspaß sein – auf einem vereisten Face kann schon bei Grad von jedem Schwung dein Leben abhängen.“
Lektion 2: Eine extrem steile Route musst du erst hinaufklettern, wenn du sie runterfahren willst! „Kommst du schon beim Raufsteigen an deine Grenzen, bist du im falschen Terrain.“
Und Lektion 3: Beim Steilwandfahren solltest du einen Eispickel in der Hand haben! „Wenn du auf hartem Schnee ausrutscht, dann hast du einen kurzen Augenblick, um den Pickel in den Boden zu rammen und die Talfahrt zu stoppen“, rät Glen Plake.

CRASHKURS
Egal, wie gut man sich vorher die Line, die man fahren will, angesehen hat: Vor Stürzen ist im Backcountry niemand gefeit. Dass Helm und Protektoren Pflicht sind, versteht sich ja von selbst – die Frage ist vielmehr, wie du mit einem Crash umgehst. Da wäre einmal der Klassiker „Tomahawk“: Du fliegst im steilen Gelände nach vorn und fängst an, dich wie ein Rad zu überschlagen. Freeskier Teddy Berr weiß: „Du fühlst dich wie in einer riesigen Waschmaschine – und alles, was du kannst, ist, dich schön gestreckt und völlig  ohne Gegenwehr der Schwerkraft hinzugeben, bis du zum Stillstand kommst.“
Gering sind auch die Möglichkeiten, wenn du bei einem Sprung über einen Felsen die Kontrolle verlierst – „das verzweifelte Rudern mit den Armen ändert kaum was an der Flugkurve. Besser ist es, jede Muskelfaser anzuspannen und sich dem Einschlag im Schnee, der folgen wird, aktiv entgegenzustemmen. Wie ein Wrestler, der seinen Gegner zermalmen will.“
„Hip Checks“ sind Landungen nach hohen Sprüngen, bei denen sich dein Körper völlig im Tiefschnee eingräbt. Entscheidend ist auch hier dass du schon vorher beim Planen deiner Abfahrt abgeklärt hast, wo du landen wirst, und ob dort genug Tiefschnee ist, um ein richtiges „Bomb hole“, das dich weich auffängt, zu schlagen.

DAS BUCH
DAS FREERIDE-ÜBERLEBENSHANDBUCH ist ein perfekter Ratgeber für alle Freerider und Skitourensportler. Hier erfährt man, wie man eine Line plant, wann Sluffs zum gefährlichen Gegner werden, welches Training dich perfekt auf die Saison vorbereitet, wie man Lawinen oder Steilwände einschätzen kann und vieles mehr.
FAKTEN: 144 Seiten, VK € 16,95
ISBN 978-3-00-043255-2.
Erhältlich in ausgewählten Shops sowie im Webshop unter www.freeride-survival-guide.de


DIE PROFIS
MELANIE SCHÖNTHIER-BERNHARD, 32, gebürtige Münchnerin, lebt nun am französischen Atlantik, ist selbst begeisterte Freeriderin, freie Journalistin und Autorin mehrerer Bücher.
STEPHAN BERNHARD, 41, bewegt sich als Sportler und als Journalist ebenfalls am liebsten im Grenzbereich.
KONTAKT: E-Mail: contact@freeride-survival-guide.de




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