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Gunn-Rita Dahle Flesjå im Interview / Bild: Merida / Daniel Geiger

Gunn-Rita Dahle Flesjå im Interview: "Plötzlich fühlst du dich wie eine Maschine"

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Sie liebt das Mountainbiken, weil sie sich im Sattel so lebendig fühlt. Und diese Leidenschaft hat sie in Erfolg verwandelt. Die Norwegerin Gunn-Rita Dahle Flesjå ist MTB-Olympiasiegerin und zehnfache Weltmeisterin. Sie hat alles gegeben, alles gewonnen – und ist auch mit 43 Jahren noch kein bisschen müde.

Interview: Axel Rabenstein

Gunn-Rita, als du im Alter von 22 Jahren mit dem Mountainbiken begonnen hast, wusstest du angeblich sofort: Das ist mein Sport! Warum warst du dir so sicher?
Ich bin als Kind viel gelaufen, war beim Hiken in den Bergen, weil ich schon immer gerne meinen Körper beansprucht habe. In meiner Jugend habe ich auf einer Farm gearbeitet, früh morgens schon die Kühe gefüttert. Da war ich es gewohnt, abends total kaputt zu sein. Und ich habe es geliebt! Allerdings verspürte ich auch die Lust auf Adrenalin und Geschwindigkeit, bin Ski oder Motocross gefahren und viel geritten. Als ich dann zum ersten Mal auf einem Mountainbike saß, kam plötzlich alles, was mir Spaß machte, in einer Aktivität zusammen. Das hat mich fasziniert – und sofort überzeugt.

Ist es so schön, sich zu verausgaben?
Für mich sind schmerzende Muskeln ein wunderbares Gefühl. Du hast engen Kontakt zu deinem Körper, bist nahe bei dir selbst. Wenn dann noch Adrenalin hinzukommt, fühle ich mich einfach lebendig. 

Ist das die Fähigkeit, die Ausdauerathleten benötigen, um erfolgreich zu sein? Sich vom Schmerz zu lösen und Lust an der Verausgabung zu empfinden?
Du musst in der Lage sein, dich immer weiter zu pushen. Dabei arbeitest du monatelang auf einen Zustand hin, den du als Topathlet vielleicht ein- oder zweimal im Jahr erlebst: Plötzlich fühlst du dich wie eine Maschine, die niemand mehr schlagen kann.

Dann läuft’s. Und tut nicht mehr weh?
Oh doch! Aber es sind zwei verschiedene Arten von Schmerz. Momentan bin ich fit, trotzdem nicht perfekt in Shape. Wenn ich jetzt im Training an meine Grenzen gehe, habe ich diesen typischen Schmerz von Anstrengung, den ich übrigens auch sehr gern spüre. Bin ich allerdings auf meinem absoluten Peak, dann wird aus diesem Schmerzgefühl eine Art Erregung. Es ist wie ein Kick, der dich immer weiter nach vorne treibt. Ein geniales Gefühl, für das es sich lohnt, Wochen und Monate zu trainieren. Es ist der Tag, an dem du fliegst – der Tag für große Erfolge.

Der Körper macht die Arbeit und der Kopf treibt ihn an. Wie siehst du die Beziehung dieser beiden Teamplayer auf dem Weg zum Erfolg?
Es ist ein schmaler Grat, immer wieder zwischen Körper und Geist zu vermitteln. Einerseits willst du deinen Körper pushen, weil du weißt, dass du die Belastungsgrenze verschieben kannst. Aber du musst deinen Körper auch schützen – und gut aufihn aufpassen. Schließlich verlangst du viel von ihm. Gerade, wenn du über Jahre hinweg auf höchstem Niveau erfolgreich sein möchtest.

Hast du mal überschlagen, wie viele Stunden du in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Sattel verbracht hast?
Puh! Ich trainiere etwa 850 Stunden im Jahr. Da kommt einiges zusammen. Aber ich bin keine Stundenzählerin. Ich arbeite eng mit meinem Mann Kenneth zusammen. Uns geht es eher um konkrete Trainingsinhalte. Dabei achten wir nicht immer auf die exakte Zeit, die wir dafür investieren müssen.

Hast du dich schon mal gefragt, was du mit der ganzen Zeit hättest anfangen können, wenn du keine Profi-Bikerin geworden wärst?
Darüber sollte ich wohl nicht allzu oft nachdenken – sonst bin ich erledigt! Aber es ist sicherlich ein großer Vorteil, dass mein Mann mich trainiert. Auch mein Sohn und meine Eltern sind meistens mit auf Tour. Wir sind ein kleines Familien-Team. Und das macht es viel einfacher, all diese Zeit ins Training zu investieren. Alleine hätte ich nicht so lange auf diesem Level aktiv sein können.

Wenn du nach so vielen Jahren Profi-Karriere die Augen schließt und ans Biken denkst – was kommt dir dann in den Sinn?
Etwas ganz einfaches: das Gefühl auf dem Rad zu sitzen und durchs Gelände zu fahren. Ich habe wirklich großes Glück, noch immer so viel Leidenschaft für das Radfahren zu empfinden. Ohne sie ist dauerhafter Erfolg nicht möglich. 

In einem Interview aus dem Jahr 2005 steht zu lesen, dass du nicht lange auf so hohem Level fahren wirst und deshalb nur noch bis zu den Olympischen Spielen in Peking 2008 denkst. Nun schreiben wir das Jahr 2016 ...
Das ist schon lustig, aber die Zeit ändert eben die Sicht der Dinge. Damals bestand mein Leben aus Trainieren, Schlafen und Essen. Wir lebten wie in einer Blase. Die Geburt meines Sohnes Bjørnar im Jahr 2009 war dann genau die Veränderung, die nötig war, um neue Lust auf Erfolg entstehen zu lassen. Wir starteten wieder bei null. Was folgte, war eine zweite Karriere als Mutter.

Und die ist jetzt auf ihrem Höhepunkt?
Es fühlt sich fast so an! Diesen Winter hatten Kenneth und ich den Eindruck, dass meine Trainingsintensität mit der in den extrem erfolgreichen Jahren 2005 und 2006 vergleichbar war. Deshalb blicken wir gespannt auf die Saison, die nun vor uns liegt.

Ist das deine Botschaft an alle Mütter dort draußen? Die neue Energie des Mutterseins zu nutzen?
Man muss schon ehrlich sagen, dass mein Comeback viel Disziplin erfordert hat. Aber wenn du die Leidenschaft spürst – dann ist vieles möglich! Und die Geburt eines Kindes kann definitiv die Veränderung sein, die eine lange Karriere zu einem gewissen Zeitpunkt benötigt. Ich freue mich über jede Mutter, die aktiv im Profisport ist.

Was gibst du den Athleten mit, die am Beginn ihrer Karriere stehen?
Habt Geduld! Ich erlebe immer wieder junge Rider, die davon sprechen, in drei bis vier Jahren Weltmeister zu werden. Wenn ich denen sage, sie sollten besser mal zehn Jahre einplanen – dann machen sie große Augen. Natürlich muss die Qualität des Trainings stimmen. Aber auch die Kontinuität. Arbeite einen Winter an deinen Schwächen. Den nächsten Winter vielleicht an deinen Stärken. Aber mach nicht alles auf einmal. Nur wenn du Schritt für Schritt besser wirst, hast du die Basis für langfristigen Erfolg. Sonst bist du vielleicht mal ein Jahr ganz oben – und verschwindest dann wieder von der Bildfläche.

Kann man dein Erfolgsgeheimnis in einen Satz packen?
Nutze deine Leidenschaft, um Tag für Tag die richtigen Prioritäten zu setzen und hart an dir zu arbeiten.

Du hast dich zwei Jahrzehnte an den Erfolg gewöhnt. Hast du keine Angst, die Erfolgserlebnisse könnten dir nach Ende deiner Karriere fehlen?
Darüber mache ich mir keinen Kopf. Am 20. August 2016 habe ich bei den Olympischen Spielen ein großes Rennen vor mir! Darauf liegt derzeit der Fokus. Und danach? Kann alles passieren! Aber ich weiß, dass ich immer auf meinem Bike sitzen werde – ganz egal, ob in Wettkämpfen, auf Festivals oder einfach nur an einem schönen Ort, irgendwo auf dieser Welt. Und das ist ein wunderbares Gefühl.

Gunn-Rita Dahle Flesjå im Interview / Bild: Merida / Daniel Geiger

Die Titelsammlerin

GUNN-RITA DAHLE FLESJÅ wurde am 10. Februar 1973 in Stavanger (Norwegen) geboren. Im Jahr 1995 holte sie den nationalen MTB-Titel im Cross Country und begann damit eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Bis heute wurde die Norwegerin in den Disziplinen Marathon und Cross Country achtmal Europameisterin sowie zehnmal Weltmeisterin, zuletzt 2015 im italienischen Val Gardena. Sie gewann 29 Weltcup-Rennen und holte dabei viermal in Folge den UC Overall MTB Weltcup (2003–2006). In Athen 2004 wurde sie zudem Olympiasiegerin im Cross Country. Im August wird sie in Rio de Janeiro zum fünften Mal bei Olympia an den Start gehen. Gunn- Rita Dahle Flesjå fährt seit 2002 auf Bikes von Merida und seit 2008 für das Multivan-Merida- Biking-Team. Sie ist verheiratet mit Kenneth Flesjå; mit Sohn Bjørnar leben sie in Sandnes, nahe Stavanger.


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