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Frühlingsputz am Berg: Wer Klettersteig, Wanderweg & Co. zu Saisonbeginn in Schuss bringt

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Naturfreunde - Wir leben Natur / Bild: www.naturfreunde.atDie Ausrüstung kurz gecheckt, die erste Tour ausgesucht – und schon kann es losgehen mit dem Wandern, Bergsteigen und Raufklettern. Aber kaum ein Bergsportler macht sich Gedanken darüber, wer eigentlich dafür sorgt, dass wir unsere Wanderwege, Klettersteige und Schutzhütten schon zu Saisonbeginn in einem Topzustand vorfinden. SPORTaktiv hat sich am Traunsee (Oberösterreich) mit ­Männern getroffen, die unbeachtet und ohne Lohn, aber mit viel Begeisterung und ­Leidenschaft den „Frühjahrsputz" am Berg erledigen.

Von Thomas Polzer


Ohlsdorf und Gmunden. Diese zwei Naturfreunde-Gruppen in Oberösterreich haben wir stellvertretend für die vielen hunderten regionalen Organisationen ausgesucht, um uns dort von den Wegereferenten Peter Rusnak und Josef Resch und von Hüttenreferent Manfred Spitzbart erklären zu lassen, welche Arbeiten am Berg zu erledigen sind – lange bevor die ersten Wanderer und Bergsteiger anmarschieren. Und wir wollen auf diese Weise auch ein wenig Anerkennung für die Menschen gewinnen, die meist unerkannt und im Stillen ihre verantwortungsvolle und oft mühsame Arbeit verrichten. Daher wollen wir den Eindruck, den SPORT­aktiv von diesem Treffen mitgenommen hat, gleich an den Beginn setzen: Wir sagen im Namen aller Bergsportler in Österreich den vielen tausenden ehrenamtlichen Helfern ein großes Danke – dafür, dass sie mit ihrem Einsatz und mit ihrer Leidenschaft für einen perfekten und sicheren Start in die neue Outdoor-Saison sorgen.

Im konkreten Fall sind es die Betreuung des Traunsteinhauses (www.traunsteinhaus.at), des Naturfreundesteiges auf den Traunstein (1.691 m) sowie des Wanderweges auf den Kleinen Schönberg (895 m), die in die Verantwortung der Naturfreunde-Ortsgruppen Ohlsdorf und Gmunden fallen. Was in der Praxis bedeutet, dass sich bereits im Februar der Ortsgruppen-Vorsitzende, der Hüttenreferent und der Hüttenwirt sowie die Wegereferenten zusammensetzen, um einen Zeitplan auszuarbeiten, damit spätestens Anfang Mai die Wander-, Klettersteig- und Hüttensaison beginnen kann.

DER HÜTTENREFERENT
Der Hüttenreferent/Hüttenwart ist das Bindeglied vom Verein zum Hüttenwirt. Er ist es, der mit dem Hüttenwirt den Pachtvertrag abschließt, aber auch dann weiterhin mit ihm engen Kontakt hält. So ist es auch der Hüttenreferent, der im Frühling bei der Hütte eine erste umfassende Sichtkontrolle durchführt, ob z. B. das Dach vom Druck des Schnees etwas abbekommen hat, ob Reparaturen notwendig sind, oder ob die Hütte lediglich vom Schnee freizuschaufeln ist.

„Wenn etwas defekt ist, muss ich entscheiden: Wie kann das repariert werden? Brauch ich einen Hubschrauber, um das benötigte Material hinzubekommen? Ist etwas der Versicherung zu melden? Und vieles mehr", sagt Manfred Spitzbart (55), der Landeshüttenreferent der Naturfreunde Oberösterreich ist und hauptberuflich beim Finanzamt Gmunden jobbt. Und er erklärt dann am Beispiel des Traunsteinhauses die Arbeiten: „Jetzt im Frühling montiert man wieder die Dachrinnen, die man im Herbst abgenommen hatte. Wasser, Strom bzw. die Photovoltaik-Anlage und das Not­strom­­aggregat sind anzuschließen. Am Traunstein gehört auch die Wartung der biologischen Kläranlage dazu, da gilt es auch, eventuelle Verstopfungen zu beheben."

Handwerkliches Geschick ist also eine der Voraussetzungen, die ein Hüttenwart haben muss, denn auch übers Jahr ist er dafür zuständig, dass Schäden repariert werden. „Generell kann man sagen: Für alles Bauliche ist der Hüttenreferent zuständig. Und für den Gast der Hüttenwirt."
Einige Hütten in seinem Verantwortungsbereich, wie etwa das Hochkogelhaus, werden nur über eine Materialseilbahn mit Lebensmitteln versorgt. Auch die wird vom Hüttenreferenten im Frühjahr kontrolliert, genauso wie der Gastgarten vor der Hütte: „Da wird der Zustand gecheckt und Reparaturen werden erledigt."

Hat der Hüttenwart seine Frühjahrsarbeit erledigt, kann der Hüttenwirt und Pächter das Traunsteinhaus ab spätestens 1. Mai öffnen. „Schutzhütten müssen grundsätzlich von Frühling bis Herbst geöffnet sein und Wanderern verlässlich Quartier geben", erklärt Manfred Spitzbart. „Manche Hütten sind die ganze Woche in Betrieb, manche Hütten nur am Wochenende. Und bei schlechten Wetterperioden spricht man sich ab, wer offen hat und wer nicht. Der Wanderer muss sich also vor seiner Tour immer erkundigen, welche Hütten gerade in Betrieb sind."

Auf ein Problem kommt Manfred Spitzbart noch zu sprechen: Hüttenwirte sind nicht leicht zu finden, vor allem nicht bei solchen, die nur schwer zu erreichen sind wie eben das Traunsteinhaus. Dort muss die gesamte Verpflegung per Hubschrauber raufgebracht werden und die beiden Wirte, die das schon seit vielen Jahren machen, kommen nur zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz. Körperliche Fitness ist daher auch Voraussetzung, den Job ausüben zu können. Und wenn das einmal nicht mehr der Fall ist? „Es gibt immer wieder Aussteiger, die das gut und mit Begeisterung machen. Aber manche haben auch völlig falsche Vorstellungen vom Hüttenleben und geben bald wieder auf", weiß Spitzbart.
  

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DER WEGE- UND KLETTERSTEIGREFERENT
Josef Resch, 60 und mittlerweile in Pension, ist Wegereferent am Traunstein. Er hat im März seine (ehrenamtliche) Arbeit aufgenommen und den Naturfreunde-Klettersteig mit 900 Höhenmetern komplett durchgecheckt. „Nach dem Winter geh ich den Klettersteig Schritt für Schritt ab und notiere zuerst einmal alle Stellen, die zu reparieren sind. Es kann sein, dass Haken sich lösen, Seile beschädigt oder Felsen ausgebrochen sind. Alle Schäden werden dann bei weiteren Begehungen repariert." Ende April nimmt Resch dann beim Einstieg zum Steig das Schild ab, das besagt, dass der Klettersteig von 1. November bis Ende April nicht gewartet wird – mit 1. Mai ist der Steig dann offiziell gesichert und geöffnet.

Das ist auch rechtlich wichtig. Schließlich sind nicht die Grundeigentümer, sondern der Wegereferent und der Vorsitzende straf- und zivilrechtlich dafür verantwortlich, wenn etwas auf einem Klettersteig passiert, sich jemand verletzt, jemand klagt und Fahrlässigkeit vorliegt. Deshalb wird auch nach jedem Check ein Nachweis ins sogenannte „Steigbuch" geschrieben. Im Sommer geht Resch jeden Monat den Steig am Traunstein ab und muss etwaige Schäden so rasch wie möglich in Ordnung bringen. Nach einem Gewitter oder wenn etwas ausbricht, wenn am Seil Schäden sind, muss das innerhalb von zwei Tagen repariert sein – schließlich wollen an einem starken Tag bis zu 400 Berg­sportler über den Naturfreundesteig Traunstein hochklettern.

„Für die Arbeit als Wegewart musst du immer Zeit haben, auch neben Beruf und Familie", sagt Resch. Denn fällt der Wegewart einmal aus, müsste der Steig gesperrt werden, da die Sicherheit oberste Priorität hat – „aber das kommt praktisch nie vor". Aber nicht nur felsige Klettersteige, sondern auch einfache Wanderwege im leichten Gelände müssen vor Saisonbeginn kontrolliert werden. Peter Rusnak (72) ist Wegereferent am Wanderweg „Kleiner Schönberg" und am 8 Kilometer langen Tauernreiterweg. Er schildert, wie er im Frühjahr ein paar Mal seine Wege abgeht, ebenfalls alles aufschreibt, was an Arbeit ansteht ist, und dies dann in den Wochen danach abarbeitet. „Wichtig ist vor allem, dass Äste oder gar umgefallene Bäume wegkommen. Die werden mit Motorsägen und Astschere zerteilt und entfernt." Aber auch während der Saison geht der Wegewart monatlich seine Wanderwege ab und checkt sie: „Im Waldbereich am kleinen Schönberg etwa – da ist vor allem im Juni viel zu tun, wenn alles langsam in den Weg reinwächst."

Zum „Frühjahrsputz" müssen auch die rot-weiß-roten Markierungen erneuert bzw. nachgestrichen werden, damit sie für die Wanderer immer gut sichtbar sind. Die Beschilderungen sind bei Bedarf ebenfalls zu erneuern oder zu reparieren. Dabei geht es nicht nur um die Orientierung, erklärt der Wegewart. „Wanderer müssen grundsätzlich verstehen, worin der Hauptgrund von Wegemarkierungen liegt: nämlich im Naturschutz. Denn die Markierung ist es, die den Wanderer und Bergsteiger an sensiblen Gebieten vorbeileiten soll. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass sich auch das Wild an die Verhältnisse anpassen kann."

UND WIE WIRD MAN HÜTTEN- ODER WEGEREFERENT?
Da sind sich alle in der Runde einig, wenn es um das Anforderungsprofil geht: „Es braucht Begeisterung für den Berg – und vor allem auch handwerkliche Fähigkeiten. Es geht viel Zeit drauf und man muss Zeit haben, wenn man gebraucht wird. Man wächst aber rein, wenn es einen interessiert – wenn es wirklich eine Leidenschaft ist ..."

Diese extreme Leidenschaft haben alle drei schon in der Jugend entwickelt. Franz Huber, von 1965 bis 1980 Traunsteinhaus-Referent, hat ihnen allen einst diese Begeisterung nahegebracht. „Die Zeit in der Jugend am Berg hat uns schon geprägt", erinnert sich Manfred Spitzbart, „die Arbeit war hart, aber wir fühlten uns frei, hatten viel Spaß und waren auch einmal unabhängig von daheim." Alle waren froh, wenn sie auf den Berg mitgehen durften und dabei viel lernen konnten – übers Bergsteigen und Klettersteiggehen, die Regeln am Berg. Und auch über die Arbeiten, die notwendig sind. Viele tiefe Freundschaften hätten sich zudem dadurch entwickelt.

Aber sie alle wissen auch, dass es mittlerweile immer schwieriger wird, Interessierte für diese Ehrenämter zu finden, „weil viele nur die Arbeit, aber nicht die schönen Seiten sehen", sagt Josef Resch, der sich, wie seine Kollegen auch, in dieser Problematik als Helfer gefordert sieht: „Es liegt jetzt eben auch an uns, dass wir Junge aufbauen und motivieren, ihnen die schönen Seiten dieser Arbeit zeigen und damit die Begeisterung und Leidenschaft dafür wecken."


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