Zwischen Sportlern und Sportverweigerern gibt es eine große Gruppe von Menschen, die gern Sport betreiben würden, schon das eine oder andere Mal etwas ausprobiert, aber nach kurzer Zeit wieder aufgegeben haben. Frage nicht, wie viele Laufschuhe, Golfschläger oder Nordic-Walking-Stöcke wenig verschlissen in irgendeiner Ecke verstauben ...

Genau für diese „Reinschnupperer und Bald-wieder-Abbrecher“ wollten wir hier einen Trainingsfahrplan aufstellen, mit dem der Einstieg ins aktive Leben in diesem Sommer wirklich klappen sollte.

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Fehlerquellen

So haben wir es uns jedenfalls gedacht. Unser Trainingsexperte Mag. Kurt Steinbauer hat die Geschichte dann aber in eine etwas andere Richtung gelenkt: „Es stimmt natürlich, dass Einsteigern sofort viele Fehler beim Training, bei der Ausrüstung, bei der Technik usw. passieren, sie dadurch die Freude verlieren und wieder aufhören. Aber entscheidend ist doch, dass man zuerst überhaupt die Sportart erkennt und auswählt, die wirklich zu einem passt. Da geht es darum, sich bewusst zu werden, was die persönliche Motivation dafür ist, Sport zu treiben. Dann kann ich mir eine Sportart suchen, die zu meiner Persönlichkeit passt – und bei der natürlich auch mein Körper mitmacht. Wenn diese zwei Bedingungen erfüllt sind, dann ist die Chance wirklich groß, dass man langfristig und mit Freude bei diesem Sport bleibt!“

Motivation

Klar: Jeder Mensch ist anders. Jeder hat im Verlauf seines Lebens unterschiedliche Erfahrungen beim Thema Bewegung gemacht und seinen Körper auf ganz eigene Art und Weise kennengelernt. Daher gibt es theoretisch auch viele „Beweggründe“ („Motivation“ kommt vom lat. movere, also „bewegen“) für Sportausübung.

Kurt Steinbauer hat sich gemeinsam mit seinem Kollegen Mag. Wolfgang Göschl mit der sportlichen Motivationstheorie beschäftigt – und zehn zentrale „Motivfelder“ herausgefiltert. Und wir haben daraus zehn Sportlertypen geschaffen und gemeinsam mit dem Experten mit den Empfehlungen für dazu passende Sportarten ergänzt.

Wir laden euch ein zur Gewissenserforschung: Wo in der Typenliste findet ihr euch wieder? Und auch wenn teilweise mehrere Profile zutreffen – den Neueinsteigern wird diese Typensuche helfen, die Sportart mit Langzeitmotivationsfaktor zu finden. Und bereits länger dienende Hobbysportler werden erkennen, ob sie richtig liegen mit ihrer Auswahl. Das ist jedenfalls viel erfolgsversprechender als bergzusteigen, weil der Nachbar davon schwärmt, sich einen Triathlon vorzunehmen, weil es gerade „in“ ist, oder draufloszuwalken, weil es der Arzt empfohlen hat.

Stichwort Arzt: Wenn du lange inaktiv warst, solltest du dir klarerweise von einem Sportmediziner oder Sportwissenschafter grünes Licht holen: „Der sagt einem auch, ob der Körper bei der gewünschten Sportart mitmacht.“

Wenn die ausgesuchte Sportart für dich passt und dir Spaß macht, dann wirst du wegen ein paar kleiner Anfangsproblemen sicher nicht gleich aufgeben.

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Der Spielertyp

Charakteristik: Spiel bedeutet Vergnügen, Spannung, Freude, Zerstreuung oder Anregung ohne bewussten Zweck. Der Sinn des Spiels liegt im Spiel selbst. „Das Wechselspiel von Ernst und Nichternst, von Wirklichkeit und Fantasie liegt im Wesen des Spiels, selbstverständlich auch der Sportspiele“, weiß Kurt Steinbauer. Ziele wie Trainingseffekte oder auch Sieg und Niederlage stehen für den echten „Spieletyp“ keinesfalls im Vordergrund. Übrigens: Ein Großteil unserer kognitiven Entwicklung, also auch der Entwicklung unserer motorischen Fähigkeiten, geschieht im Spiel. Die Lust daran liegt uns demnach in den Genen. Für viele Menschen nimmt im Sportspiel auch die Gemeinschaft einen hohen Stellenwert ein.

Empfohlene Sportarten: Alle Teamsportarten wie Fußball, Volleyball, Basketball ohne Leistungsdruck (z. B. in Hobbyvereinen); Golf; alle Racketsportarten wie Tennis, Badminton, Tischtennis; Beachvolleyball

Der Feedbacktyp

Charakteristik: Pulsmessung, Kalorienverbrauch, Laktatwerte oder Body-Mass-Index reizen den sportlichen „Screening-“ oder „Feedback-typ“ – in erster Linie motivieren ihn seine persönlichen Werte und das Dokumentieren seiner Fortschritte. Der technische Fortschritt der trainings- und sportwissenschaftlichen Kennwerte haben ihren Teil zur Verbreitung dieses Sportlertyps beigetragen. „Gerade für Anfänger oder Wiedereinsteiger in ausdauerorientierte Sportarten dienen moderne Trainingscomputer als Orientierungshilfen, unterstützen die Trainingsgestaltung und beugen Überbelastung und somit auch Demotivation vor“, begrüßt Kurt Steinbauer den Trend. „Es heißt nur aufpassen, dass man trotzdem lernt, Körperbewusstsein zu entwickeln und auf die Signale des Körpers zu hören.“

Empfohlene Sportarten: Alle Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren, Triathlon, Ergometertraining

Der Körpertyp

Charakteristik: Bitte nicht missverstehen – bei diesem Typ geht es nicht um dicke Muskeln und Waschbrettbauch, sondern um Körperbewusstsein im Sinne von Körperwahrnehmung.„Der Körper ist uns am nächsten. Schon als Kind erlangen wir mehr oder weniger Urvertrauen zu ihm“, erklärt Mag. Steinbauer. Vielen Menschen geht im Verlauf der Zeit dieser Bezug zum eigenen Körper verloren – umso befriedigender ist es daher für viele, sich der Spannung der Muskulatur, des Bewegens der Gliedmaßen im Raum, der Stellung des Kopf zum Körper, der eigenen Haltung und des Gleichgewichtes wieder bewusst zu werden

Empfohlene Sportarten: Asiatische Sportarten wie Yoga, Qigong, Pilates, auch „sanfte“ Kampfsportarten wie Tai-Chi. Vieles wird in guten Fitnessstudios angeboten.

Der Adrenalintyp

Charakteristik: Neugierde und Erfahrungshunger sind jedem Menschen in die Wiege gelegt – manchen aber mehr als anderen. Neues und Unbekanntes zu erleben und dabei ein „Prickeln im Bauch“ zu verspüren, ist für diese Menschen die größte Motivation. Sie sind Grenzgänger, aber wissen sehr wohl, wie viel sie wagen können, sie kalkulieren Risiken und können diese meist auch gut einschätzen. Daraus schöpfen sie Befriedigung und Selbstvertrauen. Vorsicht ist aller­dings angebracht, wenn (Gruppen-)Zwänge ins Spiel kommen – niemand sollte ohne eigene Intention Grenzen überschreiten.

Empfohlene Sportarten: einsteigertaugliche „Adrenalinschübe“ gibt es z. B. beim Rafting, bei leichten Canyoningtouren, Klettern (Klettergarten, Klettersteig). Achtung: Körperliche Fitness und Körperbeherrschung sind doch Grundvoraussetzungen.