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Bjørn Dæhlie im Interview / Bild: Bjørn Dæhlie

Bjørn Dæhlie im Interview: "Ich war leider ein verdammt mieser Skispringer"

Artikel vom:

Schon als Kind war er immer aktiv. Und er blieb es bis zum heutigen Tag. So wurde der Norweger Bjørn Dæhlie nicht nur zum erfolgreichsten Langläufer aller Zeiten, sondern auch zum Unternehmer, Showmaster – und zum unermüdlichen Botschafter für den Langlaufsport.

Interview von Axel Rabenstein


Bjørn, du bist in Nannestad aufgewachsen, einem Ort inmitten nordischer Weitläufigkeit und Natur. Welche Erinnerungen hast du an deine Kindheit?
Die Region bot uns Kindern fantastische Möglichkeiten, jeden Tag aktiv zu sein. Wir konnten durch die Wälder streifen, an den Seen fischen ... und natürlich Sport treiben! Ich spielte Fußball, wie alle Jungs in meiner Klasse, nahm an Laufwettbewerben teil, bin Radrennen gefahren, war als Skifahrer und Skispringer aktiv und natürlich bei Langlaufrennen am Start. Kurze Zeit spielte ich auch noch Handball.

Bisschen viel auf einmal, oder?
Klar, irgendwann kommt die Zeit, in der man sich für eine bestimmte Sportart entscheidet. Ein Lehrer riet mir, mich auf Läufe über lange Distanzen zu konzentrieren. Darin war ich der Beste auf meiner Schule, obwohl ich nicht besonders viel dafür trainierte.

Hattest du für andere Sportarten weniger Talent?
Ich war leider ein verdammt mieser Skispringer, obwohl mir das großen Spaß machte. Ich habe ein oder zwei Wettkämpfe absolviert, fand mich aber auf der letzten Seite der Ergebnisliste wieder. Es gab nur eine Person, die der Ansicht war, ich wäre ein fantastischer Skispringer ...

Nämlich?
Meine Mutter.

Deine Trainer konnte sie aber nicht überzeugen ...
Leider nein. Mit einer Bestleistung von 50 Metern ist das auch nicht so einfach. Also begann ich mit der Nordischen Kombination. So konnte ich meine Ausdauerfähigkeit einbringen und wanderte auf den Ergebnislisten nach vorne. Aber erfolgreich war ich immer noch nicht. Schließlich ließ ich mich überzeugen, stellte das Springen komplett ein und konzentrierte mich voll und ganz aufs Langlaufen.

Warst du enttäuscht, dass du für deine Lieblingssportart kein Talent hattest und stattdessen eine Karriere im Langlauf anstreben solltest?
Überhaupt nicht! In diesen Tagen kam mir gar nichts anderes mehr in den Sinn. In Norwegen ist Langlauf ein hoch angesehener Sport, der berühmte Athleten hervorgebracht hat. Für mich war es enorm aufregend, plötzlich mit von der Partie zu sein, denn ich wurde immer besser. Es weckte Träume in mir! Also trainierte ich wie ein Verrückter, nicht selten fünf Stunden am Tag.

Woher kam diese Zielstrebigkeit?
Ich bin einfach aktiv, brauche viel Bewegung und bin gerne draußen in der Natur. Langlaufen passt perfekt zu mir ... es hat mich glücklich gemacht und dauerhaft erfüllt.

Würdest du einem jungen Sportler heute empfehlen, sich auf eine Karriere als Langläufer einzulassen?
Grundsätzlich schon! Aber manchmal fragen mich Nachwuchsläufer oder auch deren Eltern, wie man Olympiasieger wird. Da denke ich mir dann: Mein Gott, ihr wisst wirklich nicht, was das bedeutet. Wenn du es nicht in dir hast, wenn du es nicht wirklich liebst, stundenlang dort draußen zu sein und dich an deine Grenzen zu bringen, dann solltest du deine Energie für etwas anderes einsetzen. Das Trainingspensum ist schon gewaltig.

Was hat dich mehr angetrieben? Dass du gerne aktiv warst oder die Aussicht berühmt zu werden?
Es war eine gute Kombination aus beidem. Natürlich habe ich das Ziel verfolgt, ein erfolgreicher Sportler zu werden und übrigens nie daran gezweifelt, das Richtige zu tun. Aber die Grundlage haben meine Eltern gelegt. Wir waren im Sommer wie im Winter aktiv, beim Langlaufen oder Wandern in den Bergen. Sie haben mich nie zu etwas gedrängt, wir haben einfach kurze Touren unternommen und hatten immer Spaß dabei. So haben sie mir einen leichten Start in meine Karriere ermöglicht.

Bist du heute immer noch so aktiv?
Na klar! Gerade war ich eineinhalb Stunden beim Joggen. Das brauche ich. Und wenn es nur eine halbe Stunde ist, Hauptsache, ich habe was getan. Nach ein paar Tagen ohne Sport fühle ich mich schlecht, fast schon krank.

Und wie oft bist du heute noch auf Langlaufski unterwegs?
Im Winter vier oder fünf Mal in der Woche ...

Was fasziniert dich so am Langlauf?
Erst einmal ist es ein Work-out für den ganzen Körper. Gerade bei der Diagonal-Technik nutzt du viele deiner Muskeln gleichzeitig. Der Trainings­effekt ist großartig und verschafft mir persönlich ein gutes Gefühl. Dazu kommt die Schönheit der Natur, die du auf Langlaufskiern auf einzigartige Weise erkunden kannst. Auf Schnee kommst du in Gebiete, die im Sommer vielleicht unter Wasser stehen oder von Gestrüpp bedeckt sind. Blauer Himmel, minus zehn Grad ohne Wind und zwei Meter trockener Schnee – das waren einige der besten Tage meines Lebens.

Video: Bjørn Dæhlies Karriere-Highlights


Glaubst du, dass Ausdauersportler erfolgreicher in ihrem Leben sind?
Ich denke, es hilft einem schon. Dort draußen lasse ich mir auch mal ein Business-Meeting durch den Kopf gehen, überlege mir Lösungen für bestimmte Projekte und habe das Gefühl, dass ich sehr klare Gedanken fassen kann. Wenn ich dann zurückkomme, schreibe ich nieder, auf was ich gekommen bin. Das funktioniert sehr gut! Außerdem fühle ich mich durch den Sport generell besser.

Früher war es der Sport, heute bist du als Geschäftsmann erfolgreich. Du hast Immobilienprojekte realisiert und eine eigene Sportbekleidungsmarke etabliert. Was treibt dich die ganze Zeit nach vorne?
Ich habe immer von Erfolgen geträumt und wollte, dass sie in Erfüllung gehen. Später wollte ich meiner Familie einen schönen Lebensstandard sichern und habe mir da immer wieder neue Ziele gesetzt. Ich hatte aber nicht immer einen fixen Plan. Wenn du aktiv bist und Dinge versuchst, kommen automatisch neue Gelegenheiten. Plötzlich eröffnen sich Chancen, die du nur noch nutzen musst. Wichtig ist, dass du auf Menschen zugehst. So wurde ich immer wieder von Geschäftspartnern in deren Projekte integriert – weil sie gemerkt haben, dass ich offen bin.

Deine Offenheit zeigte sich auch in einer berühmten Szene bei den Olympischen Spielen in Nagano 1998. Damals entstand eine besondere Verbindung zum kenianischen Langläufer Philip Boit. Kannst du uns kurz erzählen, wie das zustande kam?
Es war einer meiner schwierigsten Wettkämpfe. Vor dem Start lagen die Temperaturen unter null und so wurde auch gewachst. Später regnete es, der Schnee klebte nun an den Skiern. Es herrschte Chaos und war extrem schwer zu laufen. Ich gewann das Rennen und wartete dann, bis Philip als Letzter ins Ziel kam. Den Anblick werde ich nie vergessen: Er war klitschnass und vollkommen leer gepumpt. Ich klatschte ihn ab und gratulierte ihm – der Mann hatte zwei Jahre zuvor das erste Mal Schnee gesehen! Es muss unfassbar hart für ihn gewesen sein ...

Und der Kontakt zu Philip ist bis heute nicht abgebrochen ...
Ja, das ist toll! Wenige Monate nach diesem Rennen in Nagano erzählte er mir, dass er seinen Sohn nach mir benannt hat: Dæhlie Boit. Das war eine große Sache in Norwegen, Philip wurde bei uns sogar in eine TV-Show eingeladen. Und inzwischen war ich mit dem jungen Dæhlie sogar beim Langlaufen.

Warst du auch schon in Kenia?
Nein, das will ich demnächst mal unterbringen.

Wo zieht's dich sonst noch hin?
Wir haben eine norwegische TV-­Serie zum Thema „Hiking" in 50 Teilen produziert, da war ich eine Menge unterwegs, in Alaska, im Iran oder in Kasachstan. Aber es gibt natürlich viele spannende Orte. Südafrika interessiert mich sehr, und ich will unbedingt mal zum Lachs­fischen nach Sibirien.

Du bleibst also auch in den kommenden Jahren auf deine Weise aktiv?
Auf jeden Fall! Vielleicht werde ich ein wenig ruhiger und verbringe mehr Zeit in meinem Haus auf Gran Canaria, wo ich gut entspannen kann. Auf jeden Fall will ich fit und gesund bleiben ... damit ich auch mit 75 Jahren noch zum Langlaufen gehen kann.

Bjørn Dæhlie im Interview / Bild: Bjørn Dæhlie

Der Aktive

Bjørn Erlend Dæhlie wurde am 19. Juni 1967 in Elverum (Norwegen) geboren. Bei den drei Olympischen Spielen in Albertville sowie Lille­hammer und Nagano gewann er von 1992 bis 1998 insgesamt achtmal Gold. Zudem holte er im Laufe seiner Karriere neun WM-Titel und 46 Einzel-Weltcupsiege. Damit ist Bjørn Dæhlie der erfolgreichste Langläufer aller Zeiten. Er etablierte eine eigene Sportbekleidungsmarke unter seinem Namen, investierte erfolgreich in Immobilienprojekte und moderierte in Norwegen eine eigene TV-Show.

Bjørn Dæhlie ist verheiratet und Vater zweier Söhne. 

Web: dahlie.com


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