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Betriebliche Gesundheitsförderung: Vorbeugen statt zurücklehnen / Bild: Shutterstock / Deborah Kolb

Betriebliche Gesundheitsförderung: Vorbeugen statt zurücklehnen

Artikel vom:

In Österreich wird viel Geld für die sogenannte „Reparaturmedizin“ ausgegeben. Die Zukunft aber liegt in der Durchsetzung des Präventions-Gedankens. Ein geschlossenes Vorgehen aller zuständigen Stellen rückt nun erstmals in greifbare Nähe. Was das den heimischen Unternehmen bringt und was sie für sich selbst sowie für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun können, wird derzeit so intensiv diskutiert wie nie zuvor.

An allen Ecken und Enden wird gespart, auch im heimischen Gesundheitssystem werden in den kommenden Jahren weitere Einschnitte wohl unumgänglich sein. Es gibt allerdings einen Bereich, in dem niemand sparen möchte, schon gar nicht die Sozialversicherungsträger: Die Prävention, bisher ein finanzielles Stiefkind mit gerade einmal 1,8 Prozent des Gesundheitsbudgets, soll in den kommenden Jahren in Österreich deutlich forciert werden! Und treibende Kraft hinter dieser Initiative sind Mediziner und Arbeitspsychologen, in- und ausländische Experten, vor allem aber die großen Player im Gesundheitswesen – die AUVA, die SVA und die Gebietskrankenkassen. 
Ein Problem aber, das es ebenfalls zu lösen gilt: Die Prävention ist nicht nur unterdotiert – dieses Thema steckt auch voller Missverständnisse. Daher wurde von der AUVA im heurigen Sommer die Präventions-Charta initiiert, deren erste Aufgabe in der Definition der unterschiedlichen Begriffe lag. Bei der „Gesundheitskonferenz 2013“ in Alpbach wurde diese Vorgehensweise unter anderem auch von Walter Eichendorf sehr begrüßt, der als stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) seit Jahren an Kooperationsmodellen im deutschen Gesundheitswesen arbeitet. Er berichtete in Alpbach sehr anschaulich davon, wie Widerstände gegen Reformen allein deswegen entstehen, weil ein und derselbe Begriff unterschiedlich verstanden wird.

PRÄVENTION IST DREIERLEI
Wovon also ist die Rede, wenn immer öfter über „Prävention“ gesprochen und geschrieben wird? Nun, heute unterscheidet man primäre, sekundäre und tertiäre Prävention. Vor allem bei der primären Prävention sind die Unternehmer besonders gefragt, geht es doch hier um die Vorbeugung in Reinkultur. Konkret: Damit es im Betrieb erst gar nicht zu einem Arbeitsunfall oder zu einer Erkrankung von ArbeitnehmerInnen kommt, sind Maßnahmen wie Sicherheitseinrichtungen für Maschinen, die Reinhaltung der Luft, die ergonomische Gestaltung von Arbeitsgeräten und Werkzeugen, eine stressreduzierende Gestaltung der Arbeit, Schutzausrüstungen, aber auch Impfungen gefragt. 
So berichtete etwa AUVA-Obfrau Renate Römer, bis vor Kurzem selbst Unternehmerin im Bereich Logistik, in Alpbach auch über die Möglichkeit kostenloser Schutzimpfungen für ihre Mitarbeiter und über ebenso einfache wie effiziente Fitnessübungen in ihrem Betrieb.
Die sekundäre Prävention dient der Früherkennung von Krankheiten. Sie geht daher auch auf erhöhte Gesundheitsrisiken ein und wird bereits dann aktiv, wenn erste Anzeichen für eine Erkrankung (zum Beispiel erhöhte Werte für Blei bei besonders exponierten Berufen) erkennbar sind. Bei der sekundären Prävention ist auch die gesunde Ernährung von großer Relevanz. Sind klare Signale in Richtung zu hoher Cholesterinwerte oder beginnender Fettleibigkeit festzustellen, sollte der oder die Betroffene rechtzeitig informiert und nach Möglichkeit auch therapiert werden, ehe die Folgewirkungen zu deutlicher gesundheitlicher Beeinträchtigung führen. Sensibilität ist hier allerdings wichtig. So wird eine Initiative „Nordic Walking für Übergewichtige“ wohl kaum Zulauf im Betrieb haben. Die selbe Zielgruppe kann man aber unter Umständen erreichen, indem man „Langsam-Lauftreffs“ anbietet. Und noch ein Bereich gehört zur sekundären Prävention: frühzeitige Angebote, die sich irgendwo im Spannungsfeld zwischen Wellness und Therapie finden. Während man früher Mitarbeiter nur dann zur Kur „schickte“, wenn sie bereits erkrankt waren, so geht es heute auch bei dieser Maßnahme weit öfter um Vorsorge.
Die tertiäre Prävention schließlich setzt bei der Wiederherstellung der Gesundheit an. Es geht dabei nicht nur um die Verbesserung des Krankheitsbildes, sondern auch um die Verhütung von möglichen negativen Folgen. Es ist zwar ein Schaden eingetreten, dessen Wirkungen können allerdings durch Prävention abgeschwächt werden. Der Bereich von ambulanter und stationärer Rehabilitation, die berufliche Wiedereingliederung, auch die Unterstützung der Mitarbeiter bei eigenverantwortlicher Weiterführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen sind hier angesprochen.

VERHALTEN ODER VERHÄLTNIS?
Eine weitere aktuelle Erkenntnis, die zum Thema Prävention speziell im Umfeld der Betrieblichen Gesundheitsförderung breit diskutiert wird, ist die Berücksichtigung von Verhältnis- und Verhaltensprävention. Erstere meint die Lebenswelten und Arbeitsbedingungen, etwa Rauchverbote oder Fragen der Verkehrssicherheit. Verhaltensprävention hingegen setzt beim individuellen Handeln an, beispielsweise bei Sport, dem Einsatz von Schutzmitteln oder gesunder Ernährung.
Experten sind sich jedenfalls heute einig, dass es langfristig nur dann zu positiven Veränderungen kommen wird, wenn beide Elemente – Verhältnis- und Verhaltensprävention – gleichermaßen beachtet werden. Gerade beim Dauerbrenner Nikotin sehen Experten die beste Wirkung in einer kombinierten Vorgehensweise mit legistischen Rahmenbedingungen und individuellen Programmen.
Noch etwas ist beim Thema Prävention bemerkenswert: Ging man früher von einem linearen Modell aus, das bei der Gesundheitsförderung begann und bei der Pflege gewissermaßen endete, so sieht man die Schritte heute integrativ, also einander überschneidend. Es ist keine Seltenheit mehr, dass Prävention, Therapie und Rehabilitation im selben Zeitraum erfolgen. So wird am UKH in Linz etwa bei Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen bereits frühzeitig mit leichtem Lauftraining begonnen, auch schon während der Chemotherapie.

WANN RECHNET SICH DIE INVESTITION?
Kommen wir auf die unternehmerische Ebene. Hier konstatieren Experten, dass Betriebliche Gesundheitsförderung auch in Österreich zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden ist. Noch vor wenigen Jahren stellte die Arbeiterkammer fest, dass rund 70 Prozent der Beschäftigten nie mit einem entsprechenden Programm in Berührung gekommen seien. Heute, so meint die Psychologin und BGF-Expertin Christine Korak, gibt es kaum mehr eine Firma in Österreich, die nicht bereits das eine oder andere Projekt in Richtung Gesundheitsförderung unternommen hat. Allerdings fehlt es vor allem den kleineren Betrieben häufig an Ressourcen, sowohl in finanzieller als auch in personeller Hinsicht. Und die Erkenntnis, dass BGF ein langfristiges Vorhaben ist und nicht einfach nur aus ein paar Kursen und Workshops besteht, ist auch noch nicht überall angekommen. Mit dem Ergebnis, dass in manchen Unternehmen zwar kurzfristig Mittel in Richtung der Gesundheitsprojekte umverteilt werden, doch bei einem Ausbleiben rascher Erfolge kehrt man wieder zur ursprünglichen Haltung zurück.
Der unternehmerische Denkfehler dabei: Investitionen in die Betriebliche Gesundheitsförderung rechnen sich in der Regel erst nach mehreren Jahren! Mit der Bildung von „gesunden Gemeinden“ und mit verschiedenen Aktivitäten der Gebietskrankenkassen versucht man deshalb, auch Kleinunternehmen die Teilnahme an Programmen – etwa zur gesunden Ernährung oder dem Stress-Management – zu ermöglichen. 

EVALUIERUNGSPFLICHT FÜR ALLE
Ganz egal aber, welche Größe und wie viele Mitarbeiter eine Firma hat – eine mit Jahresbeginn in Kraft getretene Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG) betrifft alle Unternehmen in Österreich: Diese Novelle schreibt für alle Betriebe, die mindestens einen Mitarbeiter beschäftigen, eine „Evaluierung psychosozialer Fehlbelastungen“ vor. Es geht hier im Wesentlichen um die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes und um die Arbeitsabläufe in der Firma. Für die Durchführung der Evaluierung kommen laut Gesetzgeber nur Personen in Frage, die ein entsprechendes psychologisches Fachwissen besitzen. Empfohlen wird überdies ein Team, das sich unter anderem aus dem Arbeitgeber, Betriebsräten, Sicherheitsfachkräften, Arbeitspsychologen und Medizinern zusammensetzt. Vorgeschrieben ist weiters eine Dokumentation und die Wiederholung der Evaluierung, falls sich mehrfach Zwischenfälle oder Beschwerden ereignen, die psychosoziale Hintergründe vermuten lassen.

ZUERST ERHEBEN; DANN VORBEUGEN
Das Motiv für die Einführung verpflichtender Erhebungen in den Betrieben stellt das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz auf seiner Website so dar: „Psychische Belastungen, die zu Fehlbeanspruchungen führen, sind neben den Belastungen des Muskel-Skelett-Apparates eine häufige Ursache für arbeitsbedingte Beschwerden und Erkrankungen. Sie verursachen viel menschliches Leid, aber auch enorme betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten.“
Zu diesen Fehlbelastungen werden durchaus unterschiedliche Phänomene gezählt wie etwa zunehmender Termindruck, Informationsmangel oder -überflutung, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Freundlichkeitsdruck, Lärm, Kälte, Hitze oder auch isoliertes Arbeiten ohne soziale Kontakte. Der Gesetzgeber fordert mit dieser Novelle übrigens nicht nur die Erhebung der Belastungen, sondern dementsprechend auch notwendige Maßnahmen zur Vorbeugung. Man stützt sich bei diesem Vorgehen nicht zuletzt auf das deutsche Vorbild: Bei unseren Nachbarn wurde 2012 eine Leitlinie „Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz“ veröffentlicht. Inwieweit die nunmehr gesetzlich vorgeschriebene Auseinandersetzung mit möglichen psychischen Belastungen im Unternehmen tatsächlich messbare Verbesserungen bringt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Derzeit scheint die Bereitschaft der Unternehmen, die Evaluierung zu beginnen, noch ausgesprochen rar zu sein. In der Praxis kann man beobachten, dass viele erst einmal „abwarten, was die anderen tun“. Arbeitspsychologin Christine Korak etwa erzählt: „Mir hat eine Sicherheitsfachkraft, die 700 Klein- und Mittelbetriebe betreut, berichtet, dass davon erst fünf eine solche Evaluierung durchführen. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen.“

WENN RUHE STRESS AUSLÖST...
Wichtig wäre es übrigens für alle Beteiligten, das tatsächlich immer gravierendere Problem psychischer Erkrankungen ganzheitlicher zu denken! Es ist nicht allein der Stress in der Arbeit, der die zunehmende Burn-out- und Depressionsrate erklärt. Auch andere Lebensumstände, etwa Verschuldung und Kredite, familiäre Belastungen, ja sogar Phänomene wie der Freizeitstress spielen eine wichtige Rolle. Es gibt zwar vereinzelt Betriebe, die regelrecht Burn-outs in Serie produzieren, in der Regel aber sind mehrere Faktoren innerhalb und außerhalb der Firma gemeinsam für die Belastung verantwortlich. Der Stress als gesellschaftliches Phänomen ist nicht mehr wegzudiskutieren, seine menschlichen und wirtschaftlichen Folgen werden dem Gesundheitssystem noch einiges aufzulösen geben. So beobachten Psychologen etwa vermehrt Menschen, die bei BGF-Programmen keine „stillen Übungen“ mehr aushalten, sondern bei denen Ruhe bereits Stressgefühle auslöst. Aber wer sich nicht entspannen kann, verliert in der Folge deutlich an Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Für Arbeitgeber, die das Thema Prävention ernst nehmen möchten, empfiehlt sich übrigens nicht nur eine grundlegende Beratung über ein maßgeschneidertes Programm zur Betrieblichen Gesundheitsförderung, auch bereits kleine Maßnahmen können zu einem guten Klima führen. Wenn etwa Führungskräfte mit den Mitarbeitern laufen gehen, um Besprechungen abzuhalten, sorgt das nicht nur für Bewegung, sondern macht auch die Köpfe frei. Probieren Sie es aus, es wirkt garantiert.

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