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Berufskrankheiten: Wenn die Arbeit krank macht / Bild: Shutterstock

Berufskrankheiten: Wenn die Arbeit krank macht

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Berufskrankheiten sind an sich kein neues Phänomen. Veränderte Gefahren in der Arbeitswelt, aber auch moderne Erkenntnisse über die Auswirkungen von Schadstoffen und Belastungen führen freilich dazu, dass die Liste der Krankheiten regelmäßig ergänzt und erneuert wird. Ein Überblick samt Hilfe zur Selbsthilfe.


Galten Mitte des 20. Jahrhunderts noch Krankheiten wie Silikose, bedingt durch den Bergbau, als besonders verbreitet, sind es heutzutage vor allem Hauterkrankungen und lärmbedingte Beeinträchtigungen des Gehörs. Im Jahr 2013 erkrankten laut Statistik der AUVA exakt 1.327 Bedienstete an einer Berufskrankheit. Der Terminus selbst ist genau geregelt, 53 Krankheitsbilder werden derzeit als „Berufskrankheiten“ anerkannt. Daneben aber gibt es ein gänzlich neues Feld, das statistisch noch kaum erfasst wird: Wirbelsäulenerkrankungen, Burnout, psychosomatische Beschwerden, Übergewicht und Adipositas sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, deren Häufigkeit in Österreich zweifellos zunimmt. Diese Erkrankungen haben in vielen Fällen nicht nur mit dem persönlichen Lebensstil zu tun, sondern auch mit den Verhältnissen am Arbeitsplatz. Chronisch krank zu sein, bedeutet für die Betroffenen neben körperlichem Leid vielfach auch Angst um den Job. Grund genug für verantwortungsbewusste Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die neuen Krankheitsbilder ernst zu nehmen. Hier fünf der größten Problemfelder in Österreich und einige Tipps, was man selbst präventiv unternehmen kann.

1. WIRBELSÄULENERKRANKUNGEN
Rund 2,3 Millionen Österreicher leiden an Wirbelsäulenbeschwerden. Statistik Austria erklärte diese Erkrankungen zuletzt zum„gesundheitlichen Problembereich Nummer eins“. Fast 90 % der Erwachsenen in der westlichen Gesellschaft leiden zumindest gelegentlich an Rückenschmerzen. Dabei betreffen diese Zahlen keineswegs nur die ältere Generation. Bereits ab dem 30. Lebensjahr bauen die Bandscheiben nachweislich ab und erste Verschleißerscheinungen an den Wirbeln machen sich bemerkbar. Besonders problematisch sind darüber hinaus jene Schmerzen, die zwar auf die Wirbelsäule ausstrahlen, aber gar nicht ursächlich von ihr kommen. Durch die direkte Verbindung von Rückenmark und Gehirn können sich psychosomatische Probleme wie etwa Stress auch im Bereich des Rückens bemerkbar machen.
Die ersten Beschwerden kommen nicht selten durch langes Sitzen im beruflichen Alltag. In vielen Branchen lassen sich sitzende Tätigkeiten jedoch kaum vermeiden. Pro Jahr verbringt ein durchschnittlicher Angestellter bis zu 1.500 Stunden am Schreibtisch. Die Anschaffung von rückenschonenden Sesseln und ergonomischen Tischen ist zwar empfehlenswert, löst aber noch nicht den Kern des Problems. Ein normaler Achtstundentag ist eigentlich schon zu viel für unseren Rücken. Wichtig ist daher, zwischendurch öfter aufzustehen und sich zu bewegen, denn auch die beste Haltung schmerzt, wenn man längere Zeit in ihr ausharrt. Einfache Gymnastik und Dehnübungen, ein paar Mal pro Tag ausgeführt, helfen nachweislich, Rückenbeschwerden vorzubeugen oder zu lindern. Voraussetzung ist aber, dass diese Übungen nicht selbst erfunden sind, sondern auf gesichertem Wissen aufbauen – und dass sie regelmäßig und ohne zu übertreiben ausgeführt werden.

2. BURNOUT UND DEPRESSIONEN
In einer Gesellschaft, in der man alles schneller, besser und effizienter machen will (oder muss!) als die Konkurrentin oder der Kollege von nebenan gilt es als verpönt, zuzugeben, dass man mit einer Aufgabe überfordert ist. Die Zeiten der sicheren, lebenslangen Anstellung sind im Normalfall vorbei, Firmenstrukturen und Berufslaufbahnen nehmen zusehends individuelleren Charakter an. Die jüngere und junge Generation wächst mit dem Gedanken auf, froh sein zu können, überhaupt einen Job zu finden. Aber ist es wirklich nur die wirtschaftliche Instabilität, die uns zumÄußersten zwingt oder stehen wir uns mit unserem Streben nach Perfektionismus und Selbstverwirklichung nicht auch zunehmend selbst im Weg?
Fakt ist, viele spüren den Druck, im Beruf reibungslos zu funktionieren – koste es, was es wolle. Diese Einstellung führt zu Stress, dem immer mehr Menschen nicht mehr gewachsen sind. Der ständige Zeit- und Leistungsdruck und die steigende Eigenverantwortung im beruflichen Alltag lassen sie „ausbrennen“. Besonders gefährdet sind Frauen und Männer mit Doppelbelastung. In Wahrheit handelt es sich um ein Phänomen, das immer größere Teile der arbeitenden Bevölkerung betrifft. Kommt es erst einmal zum„Burn-out“, wird selbst die kleinste private oder berufliche Herausforderung zur seelischen Zerreißprobe. Der Alltag lässt sich dann nur mehr schwer bewältigen und ist von Antriebslosigkeit und Depressionen geprägt. Ist es erst einmal so weit gekommen, ist der Besuch beim Therapeuten bzw. ein längerer Klinikaufenthalt meist unumgänglich. Dabei ließe sich eigentlich im Vorfeld das Gröbste vermeiden: Durch eine Erhöhung der psychischen Widerstandsfähigkeit, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und vor allem den Mut zur häufigeren Verwendung des Wörtchens „Nein“. Noch wirkungsvoller ist es übrigens, regelmäßige Pausen zu machen, sich von der Arbeit zu distanzieren und abzuschalten. Auch ein entspannterer Umgang mit Erfolgsdruck, mit zu hohen Erwartungen an sich und mit dem allgemein grassierenden Perfektionismus kann gelernt werden. Nicht zu vergessen ist der Aufbau von permanenten Ressourcen wie einem intakten Familienleben und Zeit für Freunde, für Austausch und Spaß.

3. PSYCHOSOMATISCHE BESCHWERDEN
Unsere Alltagssprache ist voll von Metaphern, die psychosomatische Symptome beschreiben: „Etwas bereitet Kopfzerbrechen“, „Das geht mir echt an die Nieren“, „Das belastet mich“. Das ist schnell dahingesagt, doch wir vergessen, dass in diesen Sprachbildern ein wahrer Kern steckt. Wenn es irgendwo „zwickt“, dann ist oft eine körperliche und seelische Dysbalance schuld. Psychosomatische Beschwerden sind quasi das Frühwarnsystem des Körpers. Ausgelöst oder verstärkt wird diese Unausgeglichenheit in vielen Fällen durch eine zu starke psychische Belastung, durch berufliche oder private Konfliktsituationen, anhaltenden Stress oder traumatische Ereignisse. Nur wenn es der Psyche gut geht, fühlt man sich gesund. Und umgekehrt gilt: Krankheit schlägt leider oft wieder zurück auf die Seele.
Das Tückische daran ist, dass man als Betroffener etwa bei Bauchschmerzen sicherlich nicht als Erstes an einen möglichen psychischen Auslöser denkt. Eine Heilung der Symptome erfordert aber genau das, eine Ortung der Ursache. Daher wäre in vielen Fällen, etwa bei Rückenbeschwerden, eine ganzheitliche Anamnese nötig. Das hieße, nach dem Arztbesuch auch eine psychologische Abklärung in Betracht zu ziehen. In unserem Alltag findet diese Überlegung in den meisten Fällen erst sehr spät statt, wenn überhaupt, nämlich dann, wenn die Beschwerden über lange Zeit nicht abklingen. Der Besuch beim Psychologen erfolgt in solchen Fällen erst, wenn sämtliche anderen Fachärzte bereits konsultiert wurden. Ein einfach klingendes, aber wohl für viele Menschen ungemein schwieriges Gegenmittel: auf den eigenen Körper hören und bei Erkrankungen die möglichen psychischen Einflüsse nicht gering schätzen.

4. ADIPOSITAS
Fettleibigkeit ist eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. Wenn man den Zahlen im Österreichischen Gesundheitsbericht folgt, leidet fast die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher an Übergewicht. Grundsätzlich sind Männer (43 %) hierzulande deutlich häufiger von Übergewicht betroffen als Frauen (29 %) – dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern ist in der Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen besonders ausgeprägt. Übergewicht stellt aber vor allem ein gesundheitliches Problem für die über 45-Jährigen dar und hier liegt die Rate bereits bei alarmierenden 62 %. Die Ursachen sind in den meisten Fällen klar: ungesunde Ernährung, Stress und zu wenig Bewegung. Und auch wenn im Zeitalter der Eigenverantwortung das kaum jemand gerne hört: Auch hier ist der Job zumindest teilweise (mit-)schuld. Kurze Mittagspausen, kein Zugang zu ausgewogener Ernährung, das zwingt viele zumkleinen Snack für zwischendurch. Das beliebte Jausenweckerl reicht aber nicht aus, um den Körper auf Dauer mit Energie zu versorgen. Als Ersatz werden ungesunde Dickmacher über den Tag verteilt verzehrt. Wird dem Körper nun über einen längeren Zeitraum hinweg mehr Energie zugeführt, als er verbraucht, setzt er Fettpölsterchen an.
Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gilt man ab einem Body-Mass-Index von 25kg/m² als übergewichtig, ab 30 kg/m² als behandlungsbedürftig. Die typischen Folgeerscheinungen von dauerhaftem Übergewicht sind unter anderem Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Sie beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung. Wie man vorbeugen und abnehmen kann, sollte eigentlich jeder und jedem bewusst sein. Nur die Umsetzung im Alltag, die fällt schwer. Mehrmals wöchentlich Sport zu betreiben, sich ausreichend Zeit zumEssen zu nehmen und kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen, wird in der Regel schon erste Erfolge bringen. Wichtig ist es zwar, sich Ziele zu setzen, dabei aber keinen neuen Stress aufzubauen.

5. HERZ-KREISLAUF-ERKRANKUNGEN
Das Herz ist der Motor des Lebens, ist dieser jedoch einmal geschwächt, kann er keine zufriedenstellende Leistung mehr bringen. Die häufige Kombination aus falscher Ernährung und zu wenig Bewegung gefährdet dessen Gesundheit besonders. Bereits im Alter von 20 Jahren können sich Ablagerungen in den Gefäßen bilden, die in weiterer Folge zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch mit Abstand die häufigste Todesursache in Österreich. Laut Statistik Austria starben im Jahr 2012 über 30.000 Österreicherinnen und Österreicher an den Folgen dieser Erkrankung.
Als Risikofaktoren gelten unter anderem: Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen, Alkohol und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Besonders über gesunde Ernährung kann einem Großteil der Risikofaktoren entgegengewirkt werden. Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, aber auch gesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf das Herz aus. Man hat es sehr oft selbst in der Hand, dass es nicht so weit kommt: Mit einem gesunden Lebensstil, ausgewogener Ernährung und regelmäßigem Sport kann man vorsorgen und das Risiko einer Erkrankung senken. Eine Unterstützung des Arbeitgebers im Gefolge von BGF-Programmen ist eine wichtige Hilfe im Kampf gegen die genannten Zivilisationskrankheiten. Und wie Expertinnen und Experten bestätigen: Ein gesundes Unternehmen ist auch ein leistungsfähigeres.


HILFE ZUR SELBSTHILFE

  • Wirbelsäulenchecks werden von ArbeitsmedizinerInnen, arbeitsmedizinischen Zentren, Vereinen wie der Sportunion, ASVÖ, ASKÖ und von privaten Anbietern wie agil durchgeführt.
  • Herz-Kreislauf und weitere medizinische Parameter: Hier bietet unter anderem die AK Steiermark Gesundheitsstraßen mit Messung des Blutdrucks, des Lungenvolumens und anderen Stationen an, in Kärnten führt dies das Hilfswerk durch.
  • Burnout: Die ARGE BURNOUT (www.arge-burnout.at) hat einen Gratis-Burnout-Test zum Download zusammengestellt und informiert auch anderweitig über Prävention und Therapie.
  • Ernährung: Hier gibt es Workshops etwa von den Gebietskrankenkassen, Vorträge von Organisationen wie Styria vitalis und die Initiative GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN (www.gemeinsam-geniessen.at).
  • Psychosomatik: Hier sind in erster Linie die Krankenhäuser mit speziellen Einrichtungen geeignete Anlaufstellen. Näheres wissen Arbeitsmediziner/innen.



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