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Mensch Martin

Mensch, Martin!

Artikel vom:

Und los! Es gibt bei jedem Rennen Läufer, die knapp nach der Ziellinie stolpern und hinfallen. Aber niemand ist so originell wie der Wanko. Er fliegt über die Startmatte. Noch keinen einzigen Meter gelaufen, bravo! Glücklicherweise rappelt sich der Dichterfürst mit einigen Abschürfungen in die Höhe und nimmt es mit Humor: „Wie ein Skifahrer, der beim ersten Tor einfädelt", grummelt er und läuft los.

Also genau war das so: Knapp vor mir ein anderer Läufer, ich seh nicht viel, mein Auge sucht aber die VIP-Tribüne, um ein bisserl zu gaffen. Finde dort noch keine wesentlichen VIPs, dafür mich auf dem staubigen Asphalt wieder. Das sind die Momente, wo man sich so richtig selber hasst. Weil man natürlich weiß, dass so ein Sturz verdammt deppert ausschaut. Es ist ja nicht die Formel I oder die Streif, wo's dich zerlegt, sondern eine Matte, die keine fünf Zentimeter hoch ist. Zwei aufgeschundene Knie und ein leicht blutender Handballen, und neben mir der Wolf, der ausnahmsweise nicht gemein grinst, sondern irgendwie betroffen dreinschaut. Auf geht's! 
Bei der Kettenbrückengasse wartet ein mittelguter Elvis-Imitator, überhaupt ist der Graz-Marathon eine tolle Bühne für Musiker, die sonst kaum Auftrittsmöglichkeiten in größerem Rahmen bekommen. Bei Kilometer 3 muss ich den Wanko einbremsen, der Junge wird gegenüber unserem Marschplan zu flott. Vielleicht hat ihn die Musik vom Streckenrand gepusht: „Jumpin' Jack Flash".
Jetzt kommen wir langsam in Fahrt und machen einen auf „Peter Handkes Publikumsbeschimpfung". Nicht provozierend, außer beim Herrn Polizisten, zu dem ich hinüber rufe, dass er für das Steuergeld ruhig ein bisserl klatschen kann. Womit wir beim eigentlichen Problem wären: Das Grazer Publikum hat den Marathon falsch verstanden. Nicht der Läufer soll das Publikum unterhalten, sondern das Publikum soll den Läufer anfeuern. Vielleicht haben wir Läufer alle was verbrochen, denke ich mir und klatsche wieder ein paar verschreckte Zuschauer ein: „Willkommen beim Krematoriumslauf!" Die Schaulustigen bleiben stumm, die Läufer lachen. „Leider laufen wir nicht beim Zentralfriedhof vorbei!", röchelt ­einer. Na bitte, wenigstens etwas!
Die nächsten Kilometer versuchen wir, weder niedergerempelt zu werden noch einander im Getümmel zu verlieren. Die neu entwickelte Strecke ist stellenweise recht eng. Wir halten einen­ Schnitt knapp über 11 km/h und nähern uns der Kehre in Weinzödl. Die ersten Entgegenkommenden im Eilzugstempo sehen wir bereits. „Aber die lesen auch nicht 30 Bücher im Jahr", tröstet sich der Intellektuelle Wanko.

 

 

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