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Mein Traum beim oeSV

Interview: "Du musst als Springer eine Drecksau sein"

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Ex-ÖSV-Adler Arhur Pauli ist ein bunter Vogel. Der Junioren Vizeweltmeister von 2005 wollte nach seinem Karriereende 2010 eigentlich als Freestyler auf dem Snowboard durchstarten. Doch ganz vom Skispringen kam er nie los. Jetzt ist er Trainer beim Skisprungnachwuchs in Holland. Dort führt er nun die niederländischen Nachwuchs-Springer zu ersten Erfolgen.

Mit erst 23 Jahren ist er der jüngste Skisprung-Cheftrainer überhaupt. Mit SPORTaktiv spricht er über die Aufbauarbeit in Holland, sein abruptes Karriereende und erklärt, dass Skispringen vier Jahre nach seinem folgenschweren Sturz in Bischhofshofen noch immer Panik bei ihm verursacht, er aber trotzdem mit sich zufrieden sein kann.

Du hast nach deiner aktiven Karriere als Chef-Trainer bei Holland angeheuert. Wie hat sich das ergeben?

Ich wollte irgendetwas im pädagogischen Bereich machen. Ich wurde kontaktiert und mir wurde ein dreiviertel Tag Bedenkzeit eingeräumt. Es war Not am Mann. Mir war sofort klar, so eine Möglichkeit kriegst du nur einmal. Ich mache mit Holland eine geile Erfahrung, kann mich ausleben, bin quasi Mädchen für alles.

Du hast deine Karriere im September 2010 beendet und bist seit Sommer 2011 Trainer in Holland. Wie hast du das Timeout genutzt?

Ich habe eine Ausbildung zum Fahrlehrer absolviert, habe die Matura an der Abendschule gemacht und bin einige Snowboard-Contests gefahren. Das ist eine große Leidenschaft von mir.

Wo liegt der Reiz daran einen Skisprung-Exoten wie Holland zu trainieren?

Diese Möglichkeit ist ein Wahnsinn für mich. Ich bin wahrscheinlich der jüngste Cheftrainer überhaupt. Das sind ganz normale Jungs, ganz fantastische Skifahrer. Wir machen all unsere Trainingscamps im Ausland. Holland hat ja nicht gerade viele hohe Berge zu bieten (lacht). Wir sind gerade in der Ramsau. Die Jungs muss ich vor jedem Trainingskurs einfliegen lassen. Wo Schnee ist, da springen wir!

Kann man holländische Springer auch in einem FIS-Bewerb bewundern?

Ja, ganz erfolgreich sogar. Wir schnuppern immer wieder in den Conti-Cup rein. Einer meiner Schützlinge war schon mehrmals unter den Top Ten. Teilerfoge sind auf alle Fälle schon da. Es geht aber im Moment viel mehr darum, dass die Jungs das umsetzten was sie bei mir lernen. Dann werden sie irgendwann schon voll vorne dran knallen.

Gibt es Talente, die es in die Weltspitze schaffen können?

Es gibt zwei Talente. Oldrik Van der Aalst und Ruben de Witt. Die zeigen im FIS-Cup was in ihnen steckt. Die sind halt gerade in der Pubertät, das ist eine schwierige Zeit. Danach geht die natürliche Auslese los. Das ganze Talent ist aber ohne den notwendigen Eifer nichts wert. Jetzt müssen sie sich durchbeißen.

Welche technischen Möglichkeiten habt ihr, um auch international auf einem Top-Niveau zu springen?

Wir fahren natürlich nicht mit zehn Anzügen wie der Morgi (Thomas Morgenstern, Anm.) durch die Gegend. Natürlich müssen wir Einsparungen machen. Als Cheftrainer bist du hier alles, vom Servicemann bis zum Schneider. Wir schrauben aber nicht groß an Kleinigkeiten rum sondern konzentrieren uns auf das Wesentliche. Ob du damit den einen oder andern Zentimeter herausholst, ist nicht entscheidend. Das neue Regelwerk bietet ohnehin weniger Spielraum.

Kommen wir zu deinem Lebensabschnitt als aktiver Skispringer. Nach deinem schweren Sturz 2007 ist es dir nicht mehr gelungen an deine Top-Leistungen im Weltcup anzuschließen.

Der Sturz hat mir persönlich einen Knax gegeben. Ich habe im Sommer nochmals probiert zu springen, aber es stresst mich viel zu sehr. Es hat mich regelrecht in eine Panik versetzt. Wenn ich Adrenalin haben möchte, reicht mir auch das Snowboard komplett aus.

Du warst Vize-Weltmeister bei den Junioren. Bei den Profis hat es nicht bis ganz nach oben gereicht, was waren die Gründe dafür?

Ich war ein ungemeines Bewegungstalent. Aber nicht der Leichteste und nicht der Schnellste. Es war ein offenes Geheimnis, dass ich nicht der beste Abspringer bin. Hinzu kommt, dass man in der Jungend halt auch ein paar blöde Sachen macht. Ich hatte halt nur meine sechs Zwetschken beisammen und nicht meine sieben. Aber das ist menschlich.

Würdest du rückblickend auf deinen Karriereverlauf etwas anders machen?

Es war insgesamt eine coole Leistung von mir. Ich kann mir aber wenig bist fast gar nichts vorwerfen, bin zufrieden wie es gelaufen ist und habe aus meinen Möglichkeiten das Beste herausgeholt. Ich bin zu einem Zeitraum im Weltcup gesprungen, in dem die Leistungsdichte im eigenen Team enorm war. Es ist keine Schande gegen einen Morgenstern oder Schlierentzauer zu verlieren. Du musst auch ein bisschen eine Drecksau sein. Nach meinem Sturz war ich nicht mehr Drecksau genug.

Ist der Trainerjob in Holland für dich ein Sprungbrett zu einer größeren Nation?

Ja, auch jeden Fall. Ich bin jetzt in Holland weitgehend auf mich alleine gestellt und muss mich beweisen. Das wird mir in Zukunft bestimmt weiterhelfen. Mein Traum ist es, im ÖSV als Trainer unterzukommen. Im Moment mache ich den Trainerlehrgang an der Bundessportakademie Innsbruck. Da bin ich jetzt in der zweiten Phase. Das ist bestimmt eine gute Basis.

Gibt es Dinge, die du dir von deinem Ex-Trainer Alex Pointner abgeschaut hast?

Mit Alex Pointner hatte ich nur am Ende meiner Karriere zu tun. Mich haben viel mehr meine Jugend-Trainer, sowohl sportlich als auch persönlich geprägt. Ich bin erst mit 14 von daheim weg. Werner Schuster, Alex Stöckl, Harald Hain, Richard Schallert oder Florian Liegl, waren meine Trainer. Vor allen Dingen Flo bin ich dankbar. Nach meinem Sturz war ich ein halbes Wrack. Er hat mir damals die richtige Richtung aufgezeigt und gemeint, es gibt auch noch was anderes als Skispringen im Leben. So habe ich einen neuen Schritt gewagt, sonst würde ich mich vielleicht immer noch im Weltcup rumschlagen.

Pflegst du noch regelmäßigen Kontakt mit deinen Ex-Kollegen?

Ich sehe sie noch oft. Vor allen Dingen mit Thomas Thurnbilchler habe ich regen Kontakt. Ich habe ja mein halbes Leben in der Szene verbracht und habe natürlich auch engen und guten Kontakt mit der Szene.

Kann man die Möglichkeiten beim holländischen Verband mit dem ÖSV vergleichen?

In Holland hat man halt zwei Trainer für eine ganze Mannschaft. Beim ÖSV kümmern sich zwei Trainer um einen Athleten. Aber durch die Möglichkeiten, die wir mit Holland haben, kann Großes entstehen. Das ist alles andere als unmöglich, denn wir reißen uns auch ungemein den Arsch auf.

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